Menschen-Opfer für Hamburgs Wallanlagen? Neue Dungeon-Show beleuchtet dunkle Vergangenheit

Hamburg - Mit einer gewohnten Portion Grusel hat das Hamburg Dungeon am Donnerstag seine erste saisonale Sondershow für dieses Jahr vorgestellt: "Der geopferte Spatenknecht" läuft ab dem 2. März in der beliebten Touristenattraktion in der Speicherstadt. Im Mittelpunkt steht diesmal der Bau der Hamburger Wallanlagen im 17. Jahrhundert. Ein historisches Großprojekt, das von Opfern, düsteren Legenden und tief verwurzelten Ängsten begleitet wurde.

1623 beim Bau einer Wallanlage in Hamburg: Vermisst wird der junge Spatenknecht Juri. Der Meister sagt, er ist erstickt, andere sagen, er wurde geopfert.  © Tag24/Madita Eggers

Für die Medienvertreter ging es morgens um 9 Uhr direkt hinab in die Katakomben des Station Theaters.

Zwischen rohem Mauerwerk und gedämpftem Licht stimmte Daniel Zschoke, neuer General Manager des Hauses, auf die Premiere ein: "Ihr werdet gleich merken: In diesem Tunnel ist es mitunter ziemlich unheimlich – knarzende Wände, rieselnde Erde und seltsame Geräusche", kündigte er zu Beginn der Vorführung an.

Die neue Show spielt 1623 in einem Tunnel unter der Wallanlage "Bastion St. Georg". Die gewaltigen Befestigungsanlagen galten damals als hochmodern und machten die Hansestadt über Jahrzehnte nahezu uneinnehmbar.

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Entworfen wurden sie vom niederländischen Festungsbaumeister Johan van Valckenburgh (†1625). Bis heute erinnern Straßennamen wie Alter Wall oder Neuer Wall an dieses Kapitel der Stadtgeschichte.

Doch der Bau war ein Kraftakt. Viele Hamburger wurden zu schweren Arbeitsdiensten herangezogen, immer wieder kam es zu Einstürzen, insbesondere in feuchten Erdabschnitten. Gleichzeitig hielt sich im norddeutschen Raum hartnäckig der Aberglaube an sogenannte Bauopfer: Menschen, die angeblich geopfert oder eingemauert wurden, um ein Bauwerk dauerhaft zu sichern.

Genau an dieser Schnittstelle von Historie und Mythen setzt die neue Inszenierung an. "Wir recherchieren tatsächlich immer für die Zusatzshows in der lokalen Geschichte", erklärte Zschoke gegenüber TAG24. "Im Falle der Wallanlagen kam dann die Legende hinzu, dass Bauanlagen nur dann lange halten, wenn tatsächlich Opfer dargebracht werden."

Aus dieser Überlieferung entwickelte das Kreativteam schließlich die Figur des geopferten Spatenknechts Juri: "Damit nicht nur die trockene Geschichte transportiert wird, sondern auch der Gruselfaktor da ist und natürlich der Unterhaltungswert", so der General Manager.

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Gäste des Hamburg Dungeons finden sich ab März auf dem Rundgang durch das Station Theater auch in einem düsteren Tunnel unter der Wallanlage "Bastion St. Georg" wieder.  © Tag24/Madita Eggers

Schauspielerin Gina Tuveri über das Dungeon: "Hier wird nicht einfach stumpf erschreckt!"

Seit einem halben Jahr arbeitet Gina Tuveri (24) im Dungeon.  © Tag24/Madita Eggers

Gespielt wird die neue Show von Schauspielerin Gina Tuveri (24), die seit August 2025 im Hamburg Dungeon engagiert ist. "Was ich total mag, ist, dass nicht einfach stumpf erschreckt wird, sondern dass viel mit Sound und Atmosphäre gespielt wird", sagt sie im Gespräch mit TAG24.

"Es ist nicht so ein 'Uh, ich erschrecke dich' – sondern vielmehr, dass wir versuchen, ein Unbehagen zu kreieren. Gänsehautmomente, dass man sich denkt: Oh, was kommt jetzt als Nächstes?"

Nach einem halben Jahr im Dungeon-Alltag lassen sie die Effekte selbst allerdings kalt. "Ich mache hier oft Sprachnachrichten für Freunde, und dann schreit irgendwer im Hintergrund – und alle fragen: Was machst du da? Und ich sage: Ich bin auf der Arbeit."

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Dafür habe sie in den Monaten schon einiges gelernt: "Alles, was ich über Hamburgs Geschichte weiß, weiß ich aus dem Dungeon", so die Schauspielerin lachend.

Das sei genau die Mischung "aus geschichtlichem Grusel und humorvollen Schreckmomenten", die für Daniel Zschoke das Dungeon ausmache: "Wir arbeiten ja tatsächlich auch mit der Angst, die jeder in sich trägt – und möchten das auf humorvolle, erschreckende, aber auch historisch belegte Art und Weise transportieren", so Zschoke gegenüber TAG24.

"Der geopferte Spatenknecht" läuft noch bis zum 3. Mai 2026. Tickets gibt es unter thedungeons.com.

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