Die "heimliche Hymne" Thüringens: Rennsteiglied feiert Jubiläum

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Von Marie-Hélèn Frech

Suhl - 75 Jahre nachdem Herbert Roth (1926–1983) das Rennsteiglied als Komponist und Sänger erstmals öffentlich vorgetragen hat, wird es selbst heute noch gefeiert.

Herbert Roth (1926–1983) hat mit dem Rennsteiglied eines zeitloses Meisterwerk erschaffen. (Archivfoto)
Herbert Roth (1926–1983) hat mit dem Rennsteiglied eines zeitloses Meisterwerk erschaffen. (Archivfoto)  © Helmut Schaar/dpa

Als Roth und seine Instrumentalgruppe das Rennsteiglied 1951 zum ersten Mal in einem Gemeindesaal in Hirschbach bei Suhl öffentlich spielten, soll es – so die Überlieferung – mit heftigem Applaus gefeiert worden sein. In den drei Strophen geht es um die Verbundenheit zur Natur und die Freude am Wandern und natürlich um den Rennsteig – den nicht ganz 170 Kilometer langen Höhenwanderweg im Thüringer Wald.

Die Zeile "Am Rennsteig, wo ich wandere" soll Roth selbst geschrieben haben, später dichtete sein Jugendfreund Karl "Kaschi" Müller (1925–2011) den Text mit der bekannten Anfangszeile "Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land".

Das Lied löste nicht nur Begeisterung aus. Musikhistorikern zufolge warfen DDR-Funktionäre dem 1944 zur Kriegsmarine eingezogenen Roth Kitsch vor und witterten hinter der besungenen Heimatliebe Nationalismus. Später soll ihn dann aber SED-Chef Walter Ulbricht zu einem Privatkonzert eingeladen und die Musik goutiert haben. Roth und das Rennsteiglied wurden in der DDR zum Kult.

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So blieb das auch nach dem Fall der Mauer, und über die Jahre entdeckten auch bekannte Musiker das Lied für sich: Florian Silbereisen (44) und die Wildecker Herzbuben haben es gesungen, auch von Gunther Emmerlich (1944–2023) gibt es Aufnahmen.

Textsicherer Olympiasieger und kultureller Ritterschlag

Olympiasieger Max Langenhan (27) ist textsicher beim Rennsteiglied.
Olympiasieger Max Langenhan (27) ist textsicher beim Rennsteiglied.  © Michael Kappeler/dpa

Dass auch jüngere Generationen das Lied beherrschen, bewies etwa der Thüringer Spitzen-Rodler Max Langenhan (27), als er im Februar nach seinem Olympia-Sieg in Italien mit angereisten Fans textsicher die Zeilen sang und auch den früheren Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach (72), zum Mitklatschen brachte.

Obendrein erfolgte dieses Jahr quasi der kulturelle Ritterschlag: Thüringen nahm das Singen des Rennsteiglieds in seine Liste des immateriellen Kulturerbes auf. In der offiziellen Einordnung dazu heißt es, dass das eingängige Lied die Liebe zum Thüringer Wald und das Wandern auf dem Rennsteig beschreibe.

Gesungen werde es in Thüringen zu vielen Anlässen, auf Wanderungen, bei Volksfesten und Sportveranstaltungen. "So stiftet das Rennsteiglied Identität, stärkt den Gemeinsinn und vermittelt ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit."

Oft wird es das Rennsteiglied als "heimliche Hymne" Thüringens beschrieben; es gilt als musikalische Liebeserklärung von Roth an seine Heimat.

Titelfoto: Helmut Schaar/dpa

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