Hamburg - Die Indierock-Band Madsen hat vor rund einer Woche ihr Musikvideo zu der Single "Auf die Barrikaden" veröffentlicht. Darin sind unter anderem Grundschüler aus Scheeßel zu sehen und hören, die im Chor singen: "Eins, zwei, drei, lass die Liebe frei". Entgegen der Botschaft ihres Protestsongs musste die Band nach der Veröffentlichung Teile ihrer Instagram-Beiträge löschen, weil Hasskommentare gegen die Kinder eingingen.
Bei den gelöschten Beiträgen handelte es sich um Interviews mit den Kindern, die die Band im Rahmen des Musikvideos geführt hatte. Das erklärte Sebastian Madsen (44) am Ostersonntag in einem Statementvideo auf Instagram.
"Das waren sehr aufgeweckte Kinder. Wir haben sie zum Beispiel gefragt, was sie wütend macht, und die sagten, [...] wenn hellhäutige schwarze Menschen beleidigen oder dass man Hilfe suchenden Menschen, die in dieses Land kommen, sagt, wir wollen euch hier nicht. Wir waren echt beeindruckt von diesen reflektierten Antworten."
Die Band hatte die Veröffentlichung der Interviews zuvor mit Lehrern und Eltern abgestimmt: "Bei Kindern muss man immer aufpassen!" Umso erschreckender sei es gewesen, wie viele Hass-Kommentare auf die Videobeiträge folgten.
"Da wurden Dinge geschrieben, mit denen wir schon gerechnet haben. Dass wir linke Zecken in vielerlei Augen sind, ist uns eh klar, da können wir auch gut mit leben. Es gab aber auch Kommentare, die schlimmer waren", so Madsen.
"Es wurde uns und den Eltern der Kinder unterstellt, dass wir die Kinder indoktrinieren würden, ihnen unsere Meinungen aufzwingen würden. Es wurde ihnen also nicht zugetraut, dass die Kinder auch eine eigene Meinung haben und eine eigene Haltung, für die sie einstehen. Das ist schon sehr traurig."
Madsen: "Wir werden uns weiterhin stark machen gegen rechte Arschlöcher!"
Darüber hinaus seien auch konkrete Gewaltandrohungen eingegangen – auch gegen die Kinder und ihre Eltern. "Wir haben uns überlegt, wie wir darauf reagieren wollen. Einzig und allein zum Schutz der Kinder haben wir die Beiträge gelöscht", erklärte Sebastian Madsen am Sonntag.
Trotz der Angriffe will die Band sich nicht einschüchtern lassen: "Es wird immer wieder politische Lieder von uns geben und auch politische Posts. Wir werden uns weiterhin stark machen gegen rechte Arschlöcher, wer auch immer sich angesprochen fühlt. Und wir werden uns immer stark machen für unsere Demokratie."
Madsen gab zudem einen Hinweis an alle, die Hass im Netz erfahren: "Wenn ihr beleidigt werdet oder Hass erfahrt im Netz, dann lasst euch helfen und nicht einschüchtern." Viel Hate werde inzwischen auch von KI-generierten Bots verbreitet.
Abschließend richtete er einen Appell noch mal direkt an die Fans: "Lasst es euch gut gehen. Bleibt standhaft, bleibt stabil und verbreitet Liebe und keinen Hass."