Rammstein-Drummer über Lindemann-Vorwürfe: "Fühle mich wie im Schock"

Berlin - Nach den schweren Anschuldigungen gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann (60) hat nun erstmals ein Bandmitglied zu den Vorwürfen Stellung bezogen.

Rammstein-Drummer Christoph Schneider (57, r.) hat bei Instagram ein persönliches Statement zu den Vorwürfen gegen Till Lindemann (60, l.) abgegeben. (Archivfoto)
Rammstein-Drummer Christoph Schneider (57, r.) hat bei Instagram ein persönliches Statement zu den Vorwürfen gegen Till Lindemann (60, l.) abgegeben. (Archivfoto)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Schlagzeuger Christoph "Doom" Schneider (57) hat am Freitag bei Instagram seine "persönlichen Emotionen und Gedanken" zur aktuellen Situation mit den Fans geteilt.

Die Anschuldigungen in den vergangenen Wochen hätten die Band und ihn persönlich "tief erschüttert", teilte er seinen Followern mit.

"Ich fühle mich wie im Schock durch die Dinge, die in den sozialen Medien und der Presse über unseren Sänger geteilt und gedruckt werden", heißt es in dem persönlichen Statement weiter.

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Zuvor hatte Rammstein nur eine allgemeine Erklärung zu den Vorfällen nach dem ersten Konzert der Europa Stadion Tour 2023 in Vilnius abgegeben. Darin verurteilte die Band "jede Art von Übergriffigkeit", forderte aber auch, nicht vorverurteilt zu werden.

Der 57-Jährige "glaube nicht, dass etwas strafrechtlich Relevantes" bei den Partys vorgefallen sei. Als Beispiel nannte er hier den Einsatz von K.o.-Tropfen. Er selbst habe so etwas nie beobachtet "und dergleichen auch von niemandem aus unserer hundertköpfigen Crew gehört".

Persönliches Statement von Christoph Schneider zu den Vorwürfen gegen Till Lindemann

Christoph Schneider distanziert sich von Till Lindemanns Partys: Finde "ich persönlich nicht in Ordnung"

Christoph Schneider sitzt seit Bandgründung bei Rammstein am Schlagzeug.
Christoph Schneider sitzt seit Bandgründung bei Rammstein am Schlagzeug.  © Malte Krudewig/dpa

Dennoch seien dort offenbar "Dinge passiert, die - wenn auch rechtlich ok - ich persönlich nicht in Ordnung finde", betonte der Schlagzeuger. Gleichzeitig stellte "Doom" im Namen der Band klar, dass Lindemanns Partys nichts mit den offiziellen Aftershowpartys zu tun hätten.

Till habe sich seiner Aussage zufolge in den vergangenen Jahren "von uns entfernt und sich seine eigene Blase geschaffen". Dazu zählten eigene Leute, eigene Partys und eigene Projekte. "Das hat mich traurig gemacht."

Er glaube dem 60-Jährigen zwar, dass er seinen privaten Gästen stets eine schöne Zeit bereiten wolle, allerdings wurden "die Wünsche und Erwartungen der Frauen, die sich jetzt gemeldet haben", wohl nicht erfüllt und hätten sich von Lindemanns Vorstellungen unterschieden. "Das tut mir leid für sie und ich spüre Mitgefühl", beteuerte der Drummer.

Es sei ihm jedoch wichtig zu betonen, dass es jedem Gast im Backstage-Bereich freistehe, jederzeit zu gehen. Zudem seien alle Flaschen versiegelt "und werden vor den Augen der Gäste frisch geöffnet oder sie öffnen sich diese selbst". Obendrein stünden jederzeit Sicherheitspersonal, medizinische Versorgung, Wasser und Snacks bereit.

Zuvor hatte Rammstein eine allgemeine Erklärung abgegeben

Christoph Schneider wünscht sich "besonnenes Reflektieren und Aufarbeiten" mit der ganzen Band

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe steht Rammstein weiter zu Till Lindemann.
Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe steht Rammstein weiter zu Till Lindemann.  © Malte Krudewig/dpa

"Wir haben die großartigsten Fans der Welt und alle verdienen einen respektvollen Umgang", stellte der gebürtige Berliner klar. Es tue ihm leid für alle, "die sich bei uns Backstage nicht wohlwollend behandelt oder unsicher gefühlt haben".

Er wandte sich in seiner Erklärung sogar direkt an Shelby Lynn, die nach ihren Erfahrungen in Vilnius den Stein bei Twitter ins Rollen brachte, "sie hätte ein tolles Konzert und einen wunderschönen Abend verdient".

Abschließend bat Schneider darum, in der öffentlichen Diskussion zu den Anschuldigungen nicht "die Extreme" zu füttern. In diesem Zusammenhang kritisierte er das "durch unsere Gesellschaft noch nicht gezähmte Biest Social Media". Man solle Frauen Mitte 20 aber auch nicht ihr Recht absprechen, selbst über ihre Sexualität zu entscheiden und auf gar keinen Fall den Opfern selbst die Schuld geben.

"Ich wünsche mir ein ruhiges, besonnenes Reflektieren und Aufarbeiten, auch in unserer Band. Und zwar alle gemeinsam, zu sechst", womit er Till Lindemann unmissverständlich einbezog. "Wir stehen zusammen."

Erstmeldung vom 16. Juni, 15.05 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 16.19 Uhr.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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