Donne(r)-Auftritt im Berliner Dom: Ben Beckers Predigt macht Gottes Haus voll

Berlin - Wenn Ben Beckers (60) markante und donnernde Stimme ertönt, füllt sich jeder Saal. Für einen Zusatztermin setzte er seine gefeierte szenische Lesung im Berliner Dom fort - und das "Todesduell" fand Gehör.

Schauspieler Ben Becker (60) nimmt sich im "Todesduell" wieder eines biblischen Stoffes an. John Donne gilt heute als der berühmteste englische Lyriker nach Shakespeare.
Schauspieler Ben Becker (60) nimmt sich im "Todesduell" wieder eines biblischen Stoffes an. John Donne gilt heute als der berühmteste englische Lyriker nach Shakespeare.  © FacelandCom

Schon bei Premiere war die Kathedrale ausverkauft, auch beim Zusatztermin am 28. November blieb kaum einer der rund 1400 Sitzplätze frei.

Die Produktion in Zusammenarbeit mit Beckers Tochter Lilith Maria Dörte (25) basiert auf den letzten öffentlich gesprochenen Worten des sprachgewaltigen englischen Dichters John Donne (1572-1631), die als vielleicht berühmteste Predigt der Welt gilt und sich mit dem Leben und Sterben auseinandersetzt.

Die Predigt des christlichen Mystikers und Zeitgenossen Shakespeares ergänzt Becker im Finale um die "Große Elegie an John Donne" aus der Feder des russischen Lyrikers und Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky (1940-1996).

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Klingt nach schwerer Kost. Ist es auch. Es sind existentiellen Fragen, die in diesen turbulenten Zeiten nichts an ihrer Zeitlosigkeit eingebüßt haben. Ganz im Gegenteil. Die Welt liegt vielerorts in Trümmern. Immer noch geht es um Leben und Tod, um die Auseinandersetzung mit Verlusten und Vergänglichkeit.

Kaputt war vieles, kaputt ist vieles. Sie seien, sagten zwei ältere Besucherinnen beim Betreten, schon im Berliner Dom gewesen, da war der noch eine zerbombte Ruine. Mit einer ähnlichen Wucht schlägt Becker ein.

Emotionaler Moment von Ben Becker am Ende des "Todesduells"

John Donnes Credo "No Man is an Island" (übersetzt: Niemand ist eine Insel) bedeutet, dass Menschen von Natur aus soziale Wesen sind und nicht isoliert leben können.
John Donnes Credo "No Man is an Island" (übersetzt: Niemand ist eine Insel) bedeutet, dass Menschen von Natur aus soziale Wesen sind und nicht isoliert leben können.  © Denis Zielke/TAG24
Becker kehrte nach dem Aufstieg in den Himmel im Biker-Outfit zurück - und war am Ende des Stücks sichtlich ergriffen.
Becker kehrte nach dem Aufstieg in den Himmel im Biker-Outfit zurück - und war am Ende des Stücks sichtlich ergriffen.  © Denis Zielke/TAG24

Seine Bassstimme brummt, steigt empor, sinkt nieder, wenn er fleht, schluchzt und bettet, andächtig von verwesenden Körpern und den von Würmern zerfressenden Laib erzählt - spartanisch beleuchtet von einem Spotlight.

Der 60-Jährige predigt vor dem Altar und wird - wie schon bei "Ich, Judas" - von Domorganist Andreas Sielin an der Sauerorgel begleitet.

Beckers sonore Version von Scott Walker (1941-2019) "My Death" markiert dann das Highlight der rund 80-minütigen One-Man-Performance. "Selbst Gottes Israel hat keine Wohnungen, nur Reisen, Wanderschaften hier im Leben", heißt es an einer Stelle. Zeitlos, würden manche mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage sagen.

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Biblische und religiöse Themen, das ist Beckers Ding . Am Ende ist der Schauspieler sichtlich ergriffen, sagt mit der Hand auf seinem Herz: "Danke, dass Sie sich mit mir auf diese wundersame, merkwürdige, aber auch sehr schöne Reise begeben haben."

Es sei ein "Wagnis, aber ich kann nicht anders, ich liebe diesen Text, auch wenn er mir in diesen Zeiten nicht leicht fällt.", bricht kurz Beckers kräftige Stimme. "Ich halte es für wichtig, dass sie gekommen sind. Und nun wünsche ich frohe Weihnachten."

Titelfoto: Denis Zielke/TAG24, FacelandCom (Bildmontage)

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