Er spielte die "Fuzzis" und machte sie unsterblich: Mario Adorf ist tot - Ein Nachruf

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Paris - Er brauchte keinen großen Auftritt. Ein Blick reichte. Eine Stimme, die durch den Raum schnitt. Mario Adorf war nie Statist im eigenen Film - er beherrschte ihn. Jetzt ist einer der größten deutschen Schauspieler im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung gestorben. Nach kurzer Krankheit sei er laut seinem Manager Michael Stark am Mittwoch friedlich eingeschlafen.

Die deutsche Schauspiellegende Mario Adorf ist mit 95 Jahren gestorben.
Die deutsche Schauspiellegende Mario Adorf ist mit 95 Jahren gestorben.  © imago/Panama Pictures

Er liebte die großen Rollen. Die Lauten, die Mächtigen, die Unbequemen. "Große Fuzzis", nannte er sie selbst. Männer, die man nicht mögen musste, aber verstehen konnte.

Adorf gab ihnen Wucht, Tempo, Zweifel. Er machte sie größer, als sie geschrieben waren und menschlicher, als sie sein wollten.

Dabei begann alles unscheinbar. In Mayen in der Eifel war er "Klassenclown", nicht Bühnenstar. Erst nach dem Abitur zog es ihn zur Schauspielerei, er studierte in München, ging ans Theater und stand plötzlich im Zentrum. Wer ihn besetzte, bekam keine Figur. Er bekam Präsenz.

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Regisseure wie Billy Wilder (†95), Rainer Werner Fassbinder (†37), Volker Schlöndorff (87) und Margarethe von Trotta (84) holten ihn vor die Kamera.

Schon in den 60er Jahren ließ Adorf nicht nur das Herz von Sophia Loren (91) im Film "Die Über-Sinnliche" höher schlagen.
Schon in den 60er Jahren ließ Adorf nicht nur das Herz von Sophia Loren (91) im Film "Die Über-Sinnliche" höher schlagen.  © imago/Everett Collection
Auch mit Bondgirl Ursula Andress (90) durfte Mario Adorf schmusen.
Auch mit Bondgirl Ursula Andress (90) durfte Mario Adorf schmusen.  © imago/Everett Collection
In der Miniserie "Kir Royal" gab Mario Adorf 1986 den bayerischen Generaldirektor Heinrich Heini Haffenloher zum Besten.
In der Miniserie "Kir Royal" gab Mario Adorf 1986 den bayerischen Generaldirektor Heinrich Heini Haffenloher zum Besten.  © IMAGO/Mary Evans

Bis zuletzt blieb Adorf dem Leben zugewandt

Mario Adorfs Ehefrau Monique Faye war bis zum Schluss bei ihm.
Mario Adorfs Ehefrau Monique Faye war bis zum Schluss bei ihm.  © IMAGO/Weißfuß

Filme wie "Die Blechtrommel", "Lola", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Kir Royal" tragen bis heute seine Handschrift. Adorf konnte schreien, schmeicheln, drohen und blieb dabei immer glaubwürdig.

Er lebte nicht nur auf der Leinwand. Italien wurde ihm zur zweiten Heimat, das Dolce Vita zu seinem Rhythmus. "Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen", sagte er mal.

Bis zuletzt blieb er dem Leben zugewandt. An seiner Seite: seine Frau Monique Faye und ein Publikum, dem er zum Abschied danken ließ - für jahrzehntelange Treue.

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Jetzt fehlt diese Stimme. Dieser Blick. Diese Wucht.

"Wir sehen uns…" Promis nehmen Abschied

2016 erzählte Mario Adorf (†95) beim "Adventsfest der 100.000 Lichter" von Florian Silbereisen (44) Geschichten.
2016 erzählte Mario Adorf (†95) beim "Adventsfest der 100.000 Lichter" von Florian Silbereisen (44) Geschichten.  © imago/Star-Media
Jan Josef Liefers (61) spricht Mario Adorfs Ehefrau Monique sein "tiefes Beileid" aus.
Jan Josef Liefers (61) spricht Mario Adorfs Ehefrau Monique sein "tiefes Beileid" aus.  © imago/Rüdiger Wölk
Veronica Ferres (60) fand Mario Adorf inspirierend.
Veronica Ferres (60) fand Mario Adorf inspirierend.  © IMAGO/Eventpress

Die Filmwelt trauert: Nach dem Tod von Mario Adorf meldeten sich immer mehr Weggefährten mit bewegenden Worten.

Florian Silbereisen (44) erinnert sich an einen gemeinsamen TV-Auftritt: "Ich werde seinen Auftritt in unserer Adventsfest-Show nie vergessen: Er war wirklich ein ganz Großer!" Weiter schreibt er: "Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören, wenn er mit seiner Weisheit und einem Schmunzeln Geschichten erzählt …"

Auch Schauspieler Jan Josef Liefers (61) richtet sich direkt an den Verstorbenen: "Es war eine Ehre und eine Freude, mit Dir zu arbeiten, zu feiern, zu lachen und von Dir zu lernen!"

Heiner Lauterbach (72) wird noch persönlicher. Er erinnert sich an gemeinsame Drehs und daran, was er von Adorf gelernt hat: "In Wirklichkeit warst Du ein herzensguter Mensch, ein großer Kollege und wahrer Freund. Mach’s gut, alter Freund, wo immer Du im Moment auch sein magst. Wir sehen uns …"

Und Veronica Ferres (60) erinnert sich an ihren gemeinsamen Dreh zu "Rossini" und schreibt: "Du warst einer der warmherzigsten Menschen, der mir je begegnet sind… Du fehlst."

Titelfoto: imago/Panama Pictures

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