Dresdner Autor schreibt über Pop-Ikone: "100 Seiten" Grönemeyer

Dresden/Leipzig - Am 12. April wird Deutschrock-Ikone Herbert Grönemeyer 70 Jahre alt. Von Ruhe keine Spur: Nach der "mittendrin - akustisch"-Unplugged-Tour in diesem Februar geht "Herbie" 2027 erneut auf große Arena-Tournee. 16 Konzerte stehen an, am 12. Juni auch in der Red Bull Arena Leipzig. Passend dazu ist in der Reihe "100 Seiten" des Reclam-Verlags ein Büchlein über Grönemeyer erschienen. Der Dresdner Publizist und Kulturwissenschaftler Wieland Schwanebeck (42) hat es geschrieben.

Autor Wieland Schwanebeck (42).  © privat

Die Grönemeyer-Konzerte, "Großveranstaltungen für die ganze Familie", sind Thema des abschließenden Kapitels von Schwanebecks Buch. Zuvor skizziert er kompakt Grönemeyers Karriere:

Die durchwachsenen Theateranfänge am Bochumer Schauspielhaus, der Welterfolg des Films "Das Boot" (1981), die mühsamen Versuche als Musiker zu reüssieren, der Durchbruch mit dem Album "4630 Bochum", Triumphe und Aufstieg zur Lichtgestalt. Auch das Verhältnis der Deutschen zu "ihrem" Herbert beleuchtet Schwanebeck, das er "stabile Liebe" nennt.

Doch Schwanebeck klappert nicht nur den Lebensweg des Stars ab, er geht auch "ins Eingemachte", analysiert die Songtexte nach Themen und den Eigenheiten ihres lyrischen Aufbaus, legt "sperrige Akkorde und unkonventionelle Harmoniewechsel" der Kompositionen offen, beschäftigt sich mit "Grönis" berüchtigtem, oft parodierten Gesangsstil. Fundiert, kundig, faktensatt, nie akademisch, sondern humorvoll und leicht lesbar.

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Über Herbert Grönemeyer sagt Schwanebeck: "Er war mein Einstieg in die deutschsprachige Musik, wobei ich kein alteingesessener Fan bin, sondern Grönemeyer erst auf seinem Höhepunkt mit 'Mensch' gefunden habe, als er eigentlich schon zum 'Ehrenspielführer' der deutschsprachigen Poplandschaft ernannt worden war."

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Das Buch über Herbert Grönemeyer.  © Reclam

Der Komponist steht Schwanebeck näher als der Texter Grönemeyer

Grönemeyer (69) vor zwei Jahren im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Am 12. Juni 2027 wird er in der Leipziger Red Bull Arena auftreten, Resttickets gibt es ab 67,75 Euro.  © Eric Münch

Von dieser Platte in der Mitte von Grönemeyers Schaffen aus habe er sich das bunte, frühe Schaffen ebenso erschlossen wie die späteren, deutlich elektronischer geprägten Alben. Dabei hat den Autor weniger die Person interessiert: "Es ist ja keine Biografie. Was mich stärker interessiert, sind Fragen, die im Zusammenhang mit dem Werk stehen. Bei Grönemeyer: Wie wird jemand, der so sehr für Vieldeutigkeit steht - und ein bisschen auch für Unverständlichkeit - zu einem Idol und zu einem Sprachrohr, mit dessen Musik und Texten sich so viele Menschen identifizieren können?"

Grönemeyer begleite Schwanebeck mindestens sein halbes Leben, seit mehr als 20 Jahren geht er auf dessen Konzerte. Auch sein Sohn, mittlerweile zwölf Jahre alt, habe seine erste große Konzerterfahrung bei Grönemeyer gemacht - und sich mit dem Vater über korrekte Textfassungen gestritten. Schwanebeck: "Da gehört Grönemeyer eigentlich schon irgendwie zur Familie dazu."

Überrascht war der Autor, dass Grönemeyers Frühwerk - also Alben, die der Musiker selber gerne beiseite wischt - "imposante Duftmarken" aufweise, viel Rollenspiel und sehr viel erdigere Texte als auf späteren Platten. Der Komponist stehe ihm näher als der Texter Grönemeyer, so Schwanebeck. Sein liebstes Grönemeyer-Album sei "Bleibt alles anders" (1998), besonders das Lied "Letzte Version".

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Auch liebe er den Song "Grönland" (1993), der leider nie live gespielt werde: "Es beschreibt den deutschen Vereinigungsprozess, ohne dass es ein ausdrücklich politisches Lied wäre. Man kann es auch ohne diesen Bezug als Geschichte einer schwierigen Zweierbeziehung hören. Es ist einfach die ganz hohe Schule der Pop-Melancholie. Wirklich bewegend."

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