Hamburg - Ex-Kanzleramtsminister Peter Altmaier (68, CDU) hielt sich bei Markus Lanz (57) auffallend zurück, als es um die teils harsche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ging. Stattdessen warnte er jedoch kurzerhand vor einer tiefgreifenden Staatskrise.
In der ZDF-Sendung vom Dienstagabend ging es um den "Maschinenraum der Macht", das Kanzleramt.
Peter Altmaier, der mittlerweile im Ruhestand ist, erklärte, die Enttäuschung vieler Bürger sei angesichts der großen Wahlversprechen von Merz vorhersehbar gewesen.
Auf den Vergleich mit den Beliebtheitswerten von Angela Merkel (71) angesprochen, betonte der frühere Kanzleramtschef, ihn hätten Umfragen nie sonderlich interessiert. Entscheidend sei nicht Popularität, sondern gute Regierungsarbeit.
Mit Blick auf die aktuelle Bundesregierung mahnte Altmaier, politische Entscheidungen gründlich vorzubereiten und erst nach ausreichender Abstimmung zu präsentieren. Das Kanzleramt müsse dabei stets das gesamtstaatliche Interesse im Blick behalten.
Moderator Markus Lanz staunte nicht schlecht, als Altmaier seine Sorge um die Stabilität der Bundesregierung äußerte. Sollte die Koalition scheitern, drohe eine politische Krise mit der Gefahr, künftig keine regierungsfähigen parlamentarischen Mehrheiten mehr bilden zu können. Dabei zog er Parallelen zu den politischen Verhältnissen der Weimarer Republik.
"Wir haben eine Verantwortung, dass diese Regierung und die parlamentarische Mehrheitsbildung intakt bleiben", so Altmaier. "Wir haben noch ganz dicke Bretter, die gebohrt werden müssen, auf dem Tisch. Wir haben Landtagswahlen insbesondere in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern."
Melanie Amann über Friedrich Merz: "Er sieht sich ein bisschen als CEO"
Journalistin Melanie Amann (48) kritisierte in der Sendung den Führungsstil von Friedrich Merz. Unter wachsendem Druck reagiere er zunehmend ungeduldig auf Widerspruch und verfüge über zu wenig Rückhalt in der Partei.
Mit Blick auf die internen Abläufe im Kanzleramt sagte sie: "Brutale Ehrlichkeit muss man abkönnen - und ich glaube, er kann das nicht ab."
Nach allem, was ihr berichtet werde, gebe es für Merz keinen "Safe Space" im Kanzleramt, "wo er mit engen Vertrauten sitzt, die ihm alles sagen können, und er nimmt das an".
Stattdessen habe er den Impuls, selbst zeigen zu müssen: "Ich weiß, wo es langgeht, ich muss euch ja führen, ich bin ja euer Chef." Ihrem Eindruck zufolge agiere Merz weniger wie ein Kanzler, sondern eher wie der CEO eines Unternehmens.
Altmaier lehnte es jedoch ab, Merz persönlich zu kritisieren. Persönliche Angriffe hätten in der Politik keinen Nutzen - diese klare Haltung habe er von Angela Merkel übernommen, so der 68-Jährige.