"Ist mir die Spucke weggeblieben": Markus Lanz stellt Merkel-Minister zur Rede

Hamburg - Rund viereinhalb Jahre nach seinem Rückzug aus der aktiven Spitzenpolitik war Peter Altmaier (67, CDU) am Mittwochabend in der Sendung von Markus Lanz (56) zu Gast. Dabei bekam der Ex-Wirtschaftsminister im Kabinett Merkel IV (2018 bis 2021) eine frühere Äußerung zu hören, die beim Moderator große Fragezeichen hinterließ.

Am Mittwochabend diskutierte Markus Lanz (56, l.) mit dem einstigen Kanzleramtschef Peter Altmaier (67, CDU).
Am Mittwochabend diskutierte Markus Lanz (56, l.) mit dem einstigen Kanzleramtschef Peter Altmaier (67, CDU).  © ZDF/Markus Hertrich

"Ich bin über einen Satz von Ihnen gestolpert - da ist mir die Spucke weggeblieben. Sie sagen, dass wir nicht abhängig von russischem Gas waren. Wie kommen Sie darauf?", stellte Lanz sein Gegenüber zur Rede.

Altmaier entgegnete: "Natürlich hat mich die Frage der Versorgungssicherheit sehr umgetrieben, obwohl ich nicht ahnte, dass Putin die Ukraine angreift." In einem Kraftakt sei es gelungen, nach Kriegsbeginn die Gasversorgung sicherzustellen. "Das habe ich Herrn Habeck auch hoch angerechnet."

Der Moderator war mit dieser Antwort überhaupt nicht zufrieden: "Das ist nicht das Thema", lautete seine Ermahnung. "Sie reden jetzt über Gasversorgung. Ich rede über Abhängigkeit. [...] In Ihrer Regierungszeit ist die Abhängigkeit von russischem Gas von knapp über 30 auf über 50 Prozent gestiegen. Wir haben die Gasspeicher an die Russen verkauft und wir haben in der CDU-geführten Zeit 17 AKW abgeschaltet. War das ein Fehler?"

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Darauf Altmaier: "Sie können das aus heutiger Sicht als Fehler bezeichnen, aber es war aus damaliger Sicht keiner und er hat dem Land auch nicht geschadet." Die Gasspeicher seien veräußert worden, weil die EU beschlossen habe, dass man nicht mit Gas handeln und gleichzeitig die Infrastruktur, Pipelines sowie Speicher betreiben dürfe.

Markus Lanz konfrontiert Peter Altmaier: "Wer übernimmt für so was mal die Verantwortung?"

Der Ex-Minister versuchte sich zu verteidigen.
Der Ex-Minister versuchte sich zu verteidigen.  © ZDF/Markus Hertrich

Markus Lanz erklärte im Verlauf der Sendung zur Abschaltung der AKW: "Wir haben einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden dadurch. Wenn die weitergelaufen wären - gab's neulich eine interessante Statistik dazu -, hätte sich Deutschland 600 Milliarden Euro gespart. Wir hätten heute einen Energie-Mix, wenn wir das ausgebaut hätten, der CO2-frei wäre."

Weiter führte Lanz aus: "Stattdessen haben wir mit die höchsten Strompreise auf der Welt und einen der dreckigsten Energie-Mixe überhaupt in Europa. [...] Wer übernimmt für so was mal die Verantwortung?"

Altmaier erwiderte, dass er eine Forderung zur energiepolitischen Kurskorrektur vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht gehört habe. "Es gab keinen Druck", so der 67-Jährige, woraufhin Lanz verärgert konterte: "Muss man immer auf Druck reagieren? Sie werden doch dafür bezahlt, dass Sie weitsichtig agieren und eine Strategie machen", stellte er klar.

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Die komplette, rund 75-minütige Folge mit allen Meinungen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.

Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich

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