Was Markus Lanz wissen will, passt Politiker gar nicht: "Das ist 'ne ganz böse Frage!"
Hamburg - Es war ein Thema mit Konfliktpotenzial: Am Mittwochabend sprach Markus Lanz (57) mit seinen Gästen über die rasant gestiegenen Verteidigungsausgaben der Bundesregierung. Dabei ging es ordentlich zur Sache, als der Moderator den geladenen CDU-Mann Roderich Kiesewetter (62) mit dem Stopp der milliardenschweren F126-Fregatten-Pläne konfrontierte.
Zunächst wollte Lanz die Verantwortlichkeit klären. "Wer hat das politisch entschieden?", fragte er Kiesewetter, der daraufhin sagte: "Die Projekte wurden noch unter der Regierung Merkel gemacht. Die weitere Beschaffung war in der Regierung Scholz, also auch Pistorius. Und es ist gut, dass er die Verantwortung übernimmt und rechtzeitig die Reißleine zieht."
Direkt musste der Gastgeber unterbrechen: "Rechtzeitig?", fiel er dem Verteidigungsexperten ins Wort, der wiederum erklärte: "Ja, sicher. Wenn sie noch länger warten würden, dann hätten wir Schiffe, die nicht sinnvoll einsetzbar wären."
Lanz hakte nach: "Wie viel hat das bis jetzt gekostet? 2,3 Milliarden und noch ein paar Zerquetschte?", blickte er in die Runde, woraufhin der anwesende Investigativ-Journalist Christian Schweppe (40) mit 2,4 Milliarden die konkrete Zahl lieferte.
"Also allein für meine kleine Differenz bei der Nachkommastelle, macht das genau 100 Millionen Euro", musste Lanz feststellen. "Wie viele Schulen kann man dafür sanieren?", wollte er von Kiesewetter wissen, was diesem jedoch gar nicht passte: "Das ist 'ne ganz böse Frage!", lautete der Vorwurf des Politikers. Empört erwiderte Lanz: "Das ist genau die richtige Frage!"
Roderich Kiesewetter über Konsequenzen für Pistorius: "Haushaltsausschuss hat ihm die Leviten gelesen"
Seinen Unmut über Kiesewetters Antworten machte Markus Lanz im weiteren Verlauf der Sendung deutlich: "Das totale Scheitern eines solchen Projekts jetzt hier als Entschlossenheit eines Verteidigungsministers zu verkaufen, tut mir wirklich leid, das kann ich nicht kaufen."
Der Christdemokrat entgegnete: "Was soll er sonst machen? Der Haushaltsausschuss hat ihm ja auch die Leviten gelesen. Ich erwarte, dass das erklärt wird und dass auch der Öffentlichkeit gesagt wird, was das für Fehler sind. [...]"
Die komplette, rund 76-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich
