AfD-Kandidat weicht Fragen von Markus Lanz aus, dieser kennt kein Pardon: "Genauso wie andere korrupte Politiker"
Hamburg - Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellte sich AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) zum ersten Mal den Fragen von Markus Lanz (57). Aus der Diskussion wurde schnell ein hitziger Schlagabtausch.
"Wir möchten mindestens ein bis zwei Ministerien auflösen", kündigte Siegmund in der ZDF-Sendung am Donnerstagabend an.
Als Lanz wissen wollte, welche, wich der AfD-Politiker aus und sagte: "Das werde ich Ihnen vor der Wahl nicht verraten. Ein paar Überraschungen brauche ich auch noch."
Für den Moderator war diese Haltung nicht nachvollziehbar. Er warf Siegmund mangelnde Transparenz vor und zog einen drastischen Vergleich: Wer den Wählern zentrale Regierungspläne verschweige, verhalte sich "genauso wie andere korrupte Politiker".
Später wurde der Ton noch schärfer. Siegmund ging auf den Fachkräftemangel ein und meinte, dieser könne gelöst werden, "wenn man hier wieder vernünftige politische Rahmenbedingungen hat. Wenn nicht die Frage ist, dass man einmal im Jahr sein Geschlecht ändern kann oder dass die Verwaltung gendert."
Lanz wollte diese wirre Vermischung von Themen so nicht stehen lassen und entgegnete: "Herr Siegmund, können wir das bitte lassen?" Als der AfD-Mann erwiderte: "Das ist die Lebensrealität", wurde Lanz noch deutlicher. "Was zur Hölle hat es mit der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt zu tun, ob irgendjemand gendert oder nicht? Sie bekämpfen an der Stelle wirklich Gespenster, die außer Ihnen keiner sieht."
Daraufhin konterte Siegmund: "Das sehen Sie hier vielleicht aus Ihrem Elfenbeinturm heraus so." Lanz erwiderte fassungslos: "Was ist das für ein Quatsch?"
AfD-Mann Ulrich Siegmund bezeichnet Verwandtenaffäre als "kalten Kaffee"
Auch die Vorwürfe der Verwandtenaffäre innerhalb der AfD kamen zur Sprache. Siegmund wies diese entschieden zurück und sprach von "kaltem Kaffee". Die Besetzung von Stellen mit Menschen seines Vertrauens sei für ihn kein Filz, sondern eine notwendige Vorbereitung auf Regierungsverantwortung.
Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld (64) äußerte währenddessen erhebliche Zweifel an der Finanzierbarkeit der AfD-Wahlversprechen. Kostenfreie Kitas, tausend zusätzliche Polizisten oder ein Begrüßungsgeld für das dritte Kind seien angesichts der angespannten Haushaltslage Sachsen-Anhalts kaum realistisch.
Siegmund entgegnete, viele Vorhaben könnten erst umgesetzt werden, wenn die finanziellen Spielräume vorhanden seien.
Auch beim Thema Energiepolitik geriet der 35-Jährige unter Druck. Er sprach sich gegen den weiteren Ausbau der Windkraft in seinem Bundesland aus und forderte Technologieoffenheit. Kritik, dies könne zu einer neuen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen führen, wies er zurück.
Für Erheiterung sorgte zudem die Forderung der AfD nach einer Abschaffung der Biersteuer. Nachdem Siegmund diese zunächst als eher humorvolle Debatte bezeichnet hatte, verwies Weidenfeld darauf, dass die Abschaffung ausdrücklich im Regierungsprogramm der Partei steht - obwohl die Biersteuer auf Bundesebene geregelt wird.
Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich

