Hamburg - Bei "Markus Lanz" stand am Donnerstagabend nichts Geringeres zur Debatte, als die Glaubwürdigkeit von Sachsen-Anhalts Wahlverlierer Sven Schulze (47, CDU). Haben sich die Wähler und der Talkshow-Moderator selbst in dem einst "sehr anständigen CDU-Mann" etwa getäuscht?
Um diese Glaubensfrage drehte sich locker die erste halbe Stunde der ZDF-Sendung, weil Markus Lanz (57) die Reaktion von Spitzenkandidat Schulze auf die CDU-Wahlklatsche mehrfach hinterfragte.
Dabei hatte Schulze aus Sicht von Lanz doch unmittelbar nach dem Haushoch-Erfolg der AfD noch Charakter bewiesen, indem er von Demokratie sprach und ankündigte, Verantwortung für das Wahlergebnis übernehmen zu wollen.
Kurz darauf ließ sich Schulze zum neuen Fraktionschef wählen und gewann die Kampfabstimmung nur dank seiner eigenen Stimme: "Ich habe diesen Move nicht kapiert", sagte Lanz und blickte nostalgisch zurück: "Ich habe Sie als einen sehr anständigen Wirtschaftsminister kennengelernt und als einen sehr anständigen CDU-Mann."
"Ich hatte am Montagabend, als ich als Parteichef zurückgetreten bin, nicht vor, am Dienstag als Fraktionschef zu kandidieren", entgegnete der scheidende Ministerpräsident und gab gleichzeitig zu, dass die Wahl eines neuen Fraktionschefs wohl zum "schlechtmöglichsten Zeitpunkt" abgehalten worden sei.
Markus Lanz stellt Quizfrage: Was wollten die Wähler Sven Schulze am Wahlabend sagen?
Warum es nicht unbedingt die beste Idee ist, sich nach einem Absturz um fast 20 Prozentpunkte an einen politischen Posten zu klammern, untermauerte Lanz dabei mit einem sarkastischen Quiz: "Was wollten die Menschen dem Ministerpräsident-Kandidaten Sven Schulze an diesem Abend sagen?", lautete die Preisfrage.
Die Antwortmöglichkeiten dürften für sich selber sprechen: Möglichkeit A: "Super, mach weiter, wir wollen mehr von dir." Antwort B: "Vielleicht solltest du zurücktreten und den Weg für andere frei machen." Oder doch Option C: "Werd doch Fraktionschef und wähle dich selber, sonst reicht es nicht zur Mehrheit."
Schulze wählte keine der möglichen Antworten und erklärte stattdessen, dass doch mehr dahinter stecken würde: "Wir haben als Partei insgesamt verloren, ich habe aber persönlich ein ganz vernünftiges Ergebnis bekommen in meinem Wahlkreis."
Kaum hatte Schulze seine Antwort eingeloggt, wurde er von Lanz zusammengefaltet: "Sie haben ihren Wahlkreis nicht gewonnen - warum lassen Sie das immer weg?", hakte der Moderator nach. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass er dies auch nie behauptet habe.
"Gerupfte" CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt: Fällt die Brandmauer zur AfD?
Gerade weil Schulze nur mit einer Stimme Mehrheit zum neuen CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt gewählt wurde, sah Lanz neben der Glaubwürdigkeit noch ein weiteres Problem: die Brandmauer.
Die von 40 auf 15 Abgeordnete zusammengeschrumpfte CDU sei laut Lanz eine "komplett gerupfte Fraktion". Hinzu komme, dass die Hälfte der übrig gebliebenen Abgeordneten nicht mal hinter Schulze stehen würden. Wäre es also möglich, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) mithilfe von CDU-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt wird?
Schulze nahm seine Kollegen in Schutz: "Jeder Einzelne hat erklärt, dass er nicht Ulrich Siegmund wählen wird." Laut Schulze sogar schriftlich.
Dennoch ließen einige Aussagen Schulzes an der Standhaftigkeit der Brandmauer zumindest zweifeln: "Wir werden uns zukünftig in der Opposition jedes Thema anschauen. Und dann werden wir entscheiden, wie wir darüber im Landtag abstimmen", sagte er etwa. Entscheidend sei für Schulze dabei, ob ein Vorschlag "gut" sei. Der AfD künftig "permanent zu Mehrheiten verhelfen", wolle seine Fraktion aber nicht.
Die ganze Folge "Markus Lanz" könnt Ihr in der ZDF-Mediathek anschauen.