Markus Lanz kontert Forderung von Journalistin: "Schleppst dich halb tot zur Arbeit"

Hamburg - Krank sein und direkt weiter Geld vom Arbeitgeber erhalten? Wenn es nach Wirtschaftsjournalistin Antje Höning (59) geht, sollte die Lohnfortzahlung für eine Entlastung der Unternehmen eingeschränkt werden. Ihre Forderung sorgte am Donnerstagabend in der Sendung von Markus Lanz (56) für Gesprächsstoff.

Wirtschaftsjournalistin Antje Höning (59) sprach sich gegenüber Markus Lanz (56) für einen Karenztag im Krankheitsfall aus.  © ZDF/Markus Hertrich

Höning verwies darauf, auch mal andere Modelle zu betrachten. So würde in Schweden etwa der erste Krankheitstag ein Karenztag sein. "Das geht auf die Arbeitnehmer", erklärte die 59-Jährige, weshalb dort geringere Krankenstände als in Deutschland zu verzeichnen seien.

Für Lanz war dies nicht wirklich ein überzeugendes Argument. Er hält die Regelung des skandinavischen Landes für problematisch: "Das führt im Zweifel dazu, dass du dich wirklich halb tot zur Arbeit schleppst", so seine Befürchtung.

Die Redakteurin der "Rheinischen Post" widersprach mit einem deutlichen "Nein", woraufhin der Moderator sofort nachlegte: "Naja schon. Wenn du den ersten Tag direkt im Portemonnaie merkst, überlegst dir, ob du dich krankmeldest oder nicht." Höning hielt dagegen: "Aber wenn man wirklich krank ist, wird man es machen. Und wenn man nicht krank ist, ist es vielleicht der Anreiz, es zu lassen."

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Der ebenfalls anwesende Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (62, SPD) schaltete sich in die Diskussion ein. Auch er gab der Journalistin Kontra. Sein Standpunkt: "Wir müssen vorsichtig sein, dass wir bei den Leuten, die zur Arbeit gehen, nicht den Eindruck machen, dass sie faule Säcke sind und wir ihnen nicht glauben, dass sie krank sind [...]." Dieses Bild vom Bürger sei falsch und auch tödlich für die Sozialsysteme.

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Gesundheits-Experte Karl Lauterbach (62, SPD) war anderer Meinung als die studierte Volkswirtschaftlerin.  © ZDF/Markus Hertrich

Politiker Karl Lauterbach für medizinische Vorbeugunge-Maßnahmen in Betrieben

Dem SPD-Mann zufolge sollte besonderer Fokus auf die psychischen Erkrankungen gelegt werden.  © ZDF/Markus Hertrich

Anstelle des Karenztages plädierte Lauterbach für einen anderen Ansatz: "In Schweden gibt es schon seit vielen Jahren ein Programm, wo beginnende psychische Erkrankungen in den Betrieben aufgefangen werden, indem die Menschen dort eine Unterstützung bekommen."

Diese vorbeugende Medizin könne viele Krankheitstage vermeiden. "Das ist natürlich viel bedeutsamer als die Atemwegserkrankungen", so der Sozialdemokrat.

Die komplette, rund 74-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.

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