Von Marco Krefting
München - Anlässlich eines neuen Films im Ersten spricht Schauspielerin Adele Neuhauser (67) offen über Scham und Grenzen beim Dreh von intimen Szenen. Und warum sie neue Sehgewohnheiten im Fernsehen anstoßen will.
In "Faltenfrei" spielte sie eine alternde Diva, in "Ungeschminkt" eine Transfrau. Nun ist die Schauspielerin in "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" als Chefin eines Münchner Trachtengeschäfts zu sehen: Constanze geht ihrem Mann fremd - mit einem deutlich jüngeren Callboy. Daher war der Dreh auch eine Herausforderung für die Darstellerin.
Gerade bei den intimen Szenen sei sie als Schauspielerin und Adele gefordert gewesen, erzählte Neuhauser der Deutschen Presse-Agentur: "Meine Scham zu überwinden und wie weit will und muss ich wirklich gehen?"
Im Team mit Regisseur Dirk Kummer und Kollege Manuel Rubey (46) hätten sie besprochen, mit diesen Szenen sehr sensibel und sparsam umzugehen - und nur bedingt bis in die letzte Konsequenz zu gehen. "Weil mehr brauchen wir auch nicht zu sehen", sagte sie. "Wir wissen schon, wie es geht."
Die Szenen seien aber wichtig gewesen, so Neuhauser. "Kaum ein 67-jähriger Körper ist makellos, und man braucht sich auch nicht dafür zu schämen."
Der Film ist jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen, das Erste zeigt den 90-Minüter am Mittwoch (11. März) um 20.15 Uhr.
Neuer ARD-Film mit Adele Neuhauser: Bruch mit bekannten Gesellschaftsbildern
Sie wolle an Sehgewohnheiten kratzen, sagt Neuhauser: "Das muss auch möglich sein. Also nicht, dass wir älteren Frauen uns jetzt alle einen bezahlten Callboy engagieren sollten, sondern dass wir uns als Gesellschaft einfach erlauben, dass ältere Frauen auch noch körperliche Bedürfnisse haben dürfen."
Die Konstellation älterer Mann mit jüngerer Frau sei über Jahrhunderte gesellschaftlich anerkannt. "Aber wir sind es immer noch nicht gewohnt, eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann in dieser Form sichtbar zu machen."
Der Film thematisiert aber weit mehr als den körperlichen Aspekt: Constanze spürt sich nicht mehr, fühlt sich von ihrem Mann nach vielen Ehejahren nicht mehr gesehen, hat aber Sehnsüchte. "Ich glaube, da finden sich viele Menschen wieder", sagte Neuhauser.
Ältere Frauen sichtbar zu machen, ist Neuhauser nach eigenen Worten ein Anliegen. Und da sei noch Luft nach oben. Frauen zwischen 40 und 60 hätten eine "Wüstenzeit" vor sich, sagt sie gar. "Es braucht mehr Offenheit", fordert die Schauspielerin.