Selbstverliebt, mürrisch – und doch sensibel! TV-Arzt Patrick Heyn über Dr. Heckmann

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Hamburg - "Praxis mit Meerblick" feiert Jubiläum! Seit dem Pilotfilm 2016 ist Patrick Heyn (55) als Dr. Heckmann fester Bestandteil der ARD-Reihe. Aus zunächst drei Filmen pro Jahr wurde eine der erfolgreichsten 90-Minuten-Reihen Deutschlands – aktuell läuft seit Anfang April die fünfte Staffel mit sechs Folgen. "Es sind abgeschlossene Geschichten, die gleichzeitig übergreifende Handlungsstränge weitererzählen und genau das macht den Reiz aus", betonte der Schauspieler im TAG24-Interview.

Seit zehn Jahren spielt Patrick Heyn (55) den Chefarzt Dr. Heckmann: "Er ist wirklich schräg, hat sein Herz am rechten Fleck, steht sich aber oft selbst im Weg, geht menschlich komplizierte Umwege und wird von seinen Ambitionen fehlgeleitet. Gleichzeitig ist er ein begnadeter Mediziner mit einem sehr weichen Kern."
Seit zehn Jahren spielt Patrick Heyn (55) den Chefarzt Dr. Heckmann: "Er ist wirklich schräg, hat sein Herz am rechten Fleck, steht sich aber oft selbst im Weg, geht menschlich komplizierte Umwege und wird von seinen Ambitionen fehlgeleitet. Gleichzeitig ist er ein begnadeter Mediziner mit einem sehr weichen Kern."  © ARD Degeto Film/Arnim Thomaß

TAG24: Herr Heyn, wie ist es für Sie, seit zehn Jahren die Rolle des Dr. Heckmann zu spielen?

Heyn: So lange eine Figur zu spielen, hat einen großen Vorteil: Die Autor:innen können über die Zeit beobachten, wie sich die Figur entwickelt – was ich aus ihrer Sicht beigetragen habe, was ich vielleicht noch ergänzt habe – und darauf wird dann wieder reagiert. Über die Jahre sind so für meine Figur schöne Entwicklungen entstanden, die manchmal aus dem Drehen selbst geboren wurden.

TAG24: Ich höre daraus, dass Sie für jede neue Entwicklung von Dr. Heckmann offen sind?

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Heyn: Ich freue mich immer wieder, wenn ich die neuen Bücher lese und kleine Skurrilitäten entdecke. Gerade ein Dr. Heckmann wird dabei nie langweilig. Es ist ein Geschenk, dieses Spannungsfeld zwischen dem manchmal mürrischen und meistens selbstverliebten Antagonisten für die Heldin und gleichzeitig dem feinfühligen Menschen zu spielen. Wir finden immer wieder neue Facetten, die man vorher nicht vermutet hätte, [...] und genau das macht den Spaß aus.

TAG24: Haben Sie ein Beispiel für eine dieser Skurrilitäten?

Heyn: Schwer, eine Sache zu benennen. Manchmal entstehen im Spiel auch fast schon slapstickartige Momente oder Überschwang, Selbstverliebtheit, die ich einbringe. Manches wird zurückgepfiffen, manches übernommen. Es ist viel Intuition. Aber ich versuche immer, die Balance zu halten zwischen Glaubwürdigkeit und Seriosität der Figur, gleichzeitig aber die menschlichen Möglichkeiten auszutesten.

TV-Arzt Patrick Heyn: "Ich bin am Set tatsächlich wahnsinnig pingelig!"

Wird Patrick Heyn (hier mit Hauptdarstellerin Tanja Wedhorn, 54, als Nora Kaminski) als TV-Arzt auch mal um Rat gefragt? "Das kommt glücklicherweise nicht vor. Und ich würde mir auch niemals anmaßen, medizinische Ratschläge zu geben. Dafür ist mein Wissen viel zu oberflächlich".
Wird Patrick Heyn (hier mit Hauptdarstellerin Tanja Wedhorn, 54, als Nora Kaminski) als TV-Arzt auch mal um Rat gefragt? "Das kommt glücklicherweise nicht vor. Und ich würde mir auch niemals anmaßen, medizinische Ratschläge zu geben. Dafür ist mein Wissen viel zu oberflächlich".  © ARD Degeto Film/Arnim Thomaß

TAG24: In erster Linie ist Dr. Heckmann ja Arzt. Sie haben nicht nur schon viele Arztrollen gespielt (u. a. "Mord mit Aussicht"), sondern sogar selbst einmal Medizin studiert.

Heyn: Ich habe wirklich zwei Semester Medizin in Frankfurt studiert. Ein Semester hat man mich tatsächlich in der Uni gesehen, im zweiten stand ich mehr auf der Theaterbühne. Da hatte sich mein Fokus schon verschoben. Ich kenne aber viele Kolleg:innen, die im Medizinstudium weitergekommen sind.

TAG24: Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang zwischen Schauspiel und Medizin?

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Heyn: Ja, und für mich ist das naheliegend: Als Schauspieler ist man ständig auf der Suche nach dem Kern des Menschen, danach, wie Menschen funktionieren. Und viele Mediziner:innen haben eine ähnliche Motivation: eine große Neugier auf den Menschen und seine Vielfalt. Dass an mich immer wieder Arzt-Rollen herangetragen wurden, ist aber tatsächlich Zufall.

TAG24: Muss man sich als TV-Arzt immer wieder neu auf seine Rolle vorbereiten?

Heyn: Ich bin am Set tatsächlich wahnsinnig pingelig, wenn es um medizinische Abläufe, Zusammenhänge oder um Fachbegriffe geht. Ich will das dann immer alles genau wissen und zweitens höllisch aufpassen, dass ich mir keine Schnitzer leiste. Mein Schwiegervater ist Arzt. Auch kleine Details müssen stimmen – von Bewegungen bis hin zur richtigen Verwendung von Fachsprache, da kann man viel falsch machen. Mann muss aber auch sagen, dass unsere Autor:innen da schon sehr gut recherchieren. Zusätzlich haben wir am Set medizinische Fachberater:innen, die uns die Abläufe zeigen.

TAG24: Tragen Sie den Dr. Heckmann manchmal auch in Ihren Alltag?

Heyn: Ja, ein bisschen schon. Zumindest habe ich einen Hang zu allem Medizinischen, man könnte es fast als Besserwisserei bezeichnen (lacht). Gerade in bestimmten Situationen merke ich, dass ich mich intensiver damit befasse. Bei eigenen Arztbesuchen passiert es mir tatsächlich schon mal, dass ich beim Arzt ganz nonchalant von einer "Fibulafraktur" [Wadenbruch] spreche. Dann kommt oft die Rückfrage: 'Entschuldigung, sind Sie Kollege?' Aber das liegt einfach daran, dass mir diese Begriffe durch die Arbeit so geläufig geworden sind. Da steckt keine Absicht dahinter.

Am heutigen Freitag läuft die zweite Folge ("Der Dickkopf") der aktuellen Staffel von "Praxis mit Meerblick" in der ARD, in der Dr. Heckmann und Michael Kubatsky (Michael Kind, r.) unter anderem die Teams für ein Sportturnier auslosen.
Am heutigen Freitag läuft die zweite Folge ("Der Dickkopf") der aktuellen Staffel von "Praxis mit Meerblick" in der ARD, in der Dr. Heckmann und Michael Kubatsky (Michael Kind, r.) unter anderem die Teams für ein Sportturnier auslosen.  © ARD Degeto Film/Arnim Thomaß

Ost-West-Thema bei "Praxis mit Meerblick": "Ein großer Teil des Teams ist in der DDR sozialisiert worden!"

In der neuen Staffel organisiert Dr. Heckmann (hier mit Arzthelferin Mandy, gespielt von Morgane Ferru, 34) mit viel Ehrgeiz ein Volleyball-Turnier. Im Hintergrund: die Kulisse Rügens. "Vor den ersten Dreharbeiten war ich noch nie dort. Inzwischen liebe ich die Insel sehr", so Heyn.
In der neuen Staffel organisiert Dr. Heckmann (hier mit Arzthelferin Mandy, gespielt von Morgane Ferru, 34) mit viel Ehrgeiz ein Volleyball-Turnier. Im Hintergrund: die Kulisse Rügens. "Vor den ersten Dreharbeiten war ich noch nie dort. Inzwischen liebe ich die Insel sehr", so Heyn.  © ARD Degeto Film/Arnim Thomaß

TAG24: Was denken Sie, woran der Erfolg von Arztserien wie "Praxis mit Meerblick" liegt?

Heyn: Naja, es muss ja auch Alternativen zu den vielen Krimiserien geben (lacht). Wobei "Praxis mit Meerblick" für mich mehr ist als nur eine medizinische Serie. Klar, grob ist es eine Art Gesellschaftskomödie im medizinischen Umfeld, aber das greift mir zu kurz. Ein Teil des Charmes liegt – neben der großartigen Kulisse von Rügen – auch in diesem Ost-West-Thema.

TAG24: Was meinen Sie damit genau?

Heyn: Ein großer Teil des Teams ist in der DDR sozialisiert worden. Und die bringen ganz dezent, aber sehr bewusst kleine Details ein – in der Ausstattung, in der Sprache, in den Figuren. Das sind Feinheiten, die nicht jedem sofort auffallen, die aber Menschen mit DDR-Erfahrung sehr wohl wahrnehmen.

Das ist so eine kleine, sehr geschmackvolle Hommage an eine Kultur, die langsam verschwindet. Und ich glaube, diese Zwischentöne und Wiedererkennungseffekte werden von vielen Zuschauenden gespürt und geschätzt.

TAG24: Welche Rolle spielt dabei die Insel Rügen?

Heyn: Eine große! Wir verbringen etwa 50 Prozent der Drehtage auf Rügen und sind seit vielen Jahren immer wieder auf der Insel. Inzwischen gehören wir fast schon zum Ortsbild. Es passiert auch, dass Leute ans Set kommen und sagen, sie seien unter anderem wegen der Serie nach Rügen gereist. Dabei bekommt man auch mit, wie sich die Insel im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt hat.

TAG24: Und als Letztes noch: Bleiben Sie den Fans auf jeden Fall weiter als Dr. Heckmann erhalten?

Heyn: Unbedingt! Ich sehe keinen Grund, warum uns für diese Rolle die Ideen ausgehen sollten. Das Ganze ist ein gewachsener Mikrokosmos, in dem alles ineinandergreift. Wenn man da etwas herausnimmt, würde das dem Gesamtgefüge nicht guttun. Für mich gilt: kein Held ohne Gegenspieler und Dr. Heckmann ist genau das. Dieses Spannungsverhältnis macht die Figur aus und hält das Ganze lebendig. Und in Kombination mit der besonderen Kulisse auf Rügen und diesem gewachsenen, warmherzigen, tollen Team stellt sich für mich einfach nicht die Frage: Warum sollte ich das aufgeben?

Die fünfte Staffel von "Praxis mit Meerblick" läuft immer freitags um 20.15 Uhr in der ARD oder auf Abruf in der ARD-Mediathek.

Titelfoto: Montage: ARD Degeto Film/Arnim Thomaß (2)

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