Leopold (32): Verprügelt und ausgeraubt, weil er schwul ist

Berlin - Verprügelt, gedemütigt und ausgeraubt, weil er auf Männer steht: Leopold (32) hat einen queerfeindlichen Angriff hinter sich. Mitten am Tag. In seiner eigenen Wohnung. Stundenlang. Über sein schlimmstes Erlebnis erzählt er offen, weil er andere vor Ähnlichem bewahren will.

Dutzende queere Personen wurden bereits Opfer von Überfällen, die über Datingplattformen zustande kamen.  © sr

Hass gegen Schwule und andere nicht-heterosexuelle Minderheiten führen dazu, dass nicht wenige von ihnen mit Pfefferspray und Alarmsirene auf Dates gehen. Leopolds Geschichte bestärkt sie darin. Leider.

Weil es ihm noch immer schwerfalle, fremde Leute in seine Wohnung zu lassen, findet das Interview mit "team.recherche" des Saarländischen Rundfunks (SR) in einer angemieteten Berliner Wohnung statt.

Aus gutem Grund. An einem Morgen im Mai dieses Jahres öffnet er nach dem Aufwachen die Grindr-App auf seinem Smartphone, über die sich vornehmlich queere Männer zu Treffen verabreden - meist mit sexuellem Hintergrund.

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So auch Leopold und sein Chatpartner. "Wir schreiben kurz hin und her, tauschen Bilder aus und dann ist relativ schnell klar, dass wir uns treffen wollen", berichtet er. Das spontane Sexdate wird aber zum Albtraum.

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Leopolds Tortur setzt sich fort, weil er nur 10 Euro in der Geldbörse hat

Das team.recherche des Saarländischen Rundfunks hat sich dem Thema Queerfeindlichkeit auf Datingapps gewidmet.  © sr

Wenig später stehen zwei Männer vor Leopolds Tür. Er öffnet, das Handy wird ihm aus der Hand gerissen. Der überrumpelte Sänger wehrt sich, was zu Faustschlägen führt, von denen Leopold nach eigenen Aussagen mehrere ins Gesicht erhalten habe.

Die Täter fragen nach Bargeld, doch Leopold hat nur 10 Euro in seinem Portemonnaie. Seine Wohnung wird durchsucht, sich über sein Make-up und Pailetten-Klamotten lustig gemacht, auf den Boden gespuckt.

Einer der Räuber versucht Geld mit Leopolds Bankkarte abzuheben, was misslingt. Daraufhin wird er gezwungen, online einen vierstelligen Betrag zu überweisen.

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Erst nach mehreren Stunden hauen die Täter ab. Der 32-Jährige fühle sich seit dem Überfall "nicht mehr sicher". Er wünscht sich, dass keine Debatten wegen Regenbogenflaggen zum Christopher Street Day (CSD) auf dem Bundestag geführt werden müssen. "Das ist der Nährboden, auf dem sich solche Täter sicherer fühlen, sich auszubreiten und solche Taten zu verüben."

Ängstlich und mit Pfefferspray auf Dates gehen, das darf nicht zur Normalität werden. Egal, wie und wen man liebt!

Die Doku "Jagd auf Schwule - Wer steckt hinter den Fake-Dates?" ist ab dem 18. August in der ARD-Mediathek abrufbar.

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