Warum starben sie alle mit 27? Tribute-Show sucht Antworten auf den größten Rock-Mythos

Hamburg - Der "Club 27" gilt als einer der größten Mythen der Rockgeschichte. Warum starben Künstler wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse alle mit nur 27 Jahren? Dieser Frage geht die Tribute-Show "The 27 Club – Legends Never Die" von Regisseur Toby Gough nach, die am Freitagabend im Hamburger St. Pauli Theater Premiere feierte. Statt endgültiger Antworten stehen jedoch vor allem die Künstler selbst im Mittelpunkt und natürlich ihre Musik, die sie bis heute unsterblich macht.

Besonders Rose Rey überzeugt als Janis Joplin. Mit ihrer rauen, kraftvollen Stimme kommt sie dem Original verblüffend nahe.  © Moritz Fischinger

Mit deutlich spürbarer Leidenschaft und großem Respekt präsentiert das britische Ensemble rund um Erzählerin Marion Campbell eine Hommage, die immer wieder unter die Haut geht.

"Wir selbst sind die größten Fans", sagt Campbell gleich zu Beginn des Abends. Die gebürtige Britin ist in Deutschland keine Unbekannte: Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Teilnahme bei "The Voice of Germany" sowie durch Engagements in Musicalproduktionen wie "Ghost" und "Der König der Löwen".

Die eigens ausgewählten Musiker verzichten dabei auf bloße Imitationen ihrer berühmten Vorbilder. Statt Perücken-Show und Karaoke-Momenten setzt die Produktion auf musikalische Eigenständigkeit und authentische Interpretationen.

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Überhaupt lebt der Abend von seinen starken musikalischen Momenten. Mehr als 30 Songs bringen die 14 Musiker in rund zweieinhalb Stunden auf die Bühne.

Im Mittelpunkt stehen sechs Mitglieder des "Club 27": Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain, Amy Winehouse, Brian Jones und Blues-Pionier Robert Johnson. Dabei wechseln sich energiegeladene Rocknummern mit ruhigeren, nachdenklichen Passagen ab. Besonders berührend: Hendrix' "Angel" und "You Can't Always Get What You Want" der Rolling Stones.

Dass die Produktion ausgerechnet auf St. Pauli gastiert, erscheint dabei nur folgerichtig. Theaterchef Thomas Collien holte die Show an die Reeperbahn, wo einige Mitglieder des "Club 27" selbst Spuren hinterlassen haben. Jimi Hendrix spielte bereits 1966 im legendären Star-Club in der Großen Freiheit, Janis Joplin besuchte den Club zwei Jahre später, und auch "The Doors" standen hier auf der Bühne.

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Ein Tod mit 27 als Preis für musikalisches Ausnahmetalent?

Aki Remally als Robert Johnson. Trotz seines frühen Todes gilt er als "Ground Zero" des Delta-Blues. Rock-Ikonen wie Eric Clapton, Led Zeppelin und die Rolling Stones berufen sich auf seinen Einfluss.  © Moritz Fischinger

Der Rolling-Stones-Mitgründer Brian Jones (†1969) gilt als erstes Mitglied des "Club 27". Er ertrank mutmaßlich in seinem Pool in East Sussex; offiziell wurde sein Tod als Unfall eingestuft.

Bis heute halten sich jedoch Mordtheorien, die unter anderem durch Aussagen seines damaligen Bauunternehmers zusätzlich befeuert wurden.

Innerhalb weniger Jahre folgten Janis Joplin (†1970), Jimi Hendrix (†1970) und Jim Morrison (†1971). Mit ihnen verfestigte sich der Mythos, der im Laufe der Jahre durch zahlreiche weitere, teils weniger bekannte Fälle erweitert wurde, etwa Pete Ham (†1975).

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Die bekanntesten späteren Fälle sind Kurt Cobain (†1994) und Amy Winehouse (†2011).

Viele Jahre nach seinem Tod wurde zudem der Blues-Musiker Robert Johnson (†1938) posthum aufgenommen; zeitlich gilt er als frühestes "Mitglied". Mit ihm beginnt auch die Show und vielleicht auch der Fluch hinter dem wohl traurigsten Club der Welt.

Bis heute hält sich die Theorie, Johnson habe für seine außergewöhnlichen Gitarrenkünste einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Ein Tod mit 27 als Preis für musikalisches Ausnahmetalent?

Der Cast von "The 27 Club – Legends Never Die". Premiere feierte die Show von Regisseur Toby Gough bereits 2013 in Edinburgh - tourt seitdem durch die Welt.  © Moritz Fischinger

Marion Campbell: "Wir leben für immer in ihren Schatten und sie für immer in unseren Herzen"

Ramona Blue überzeugt als Amy Winehouse. Als sie den Song "Rehab" anstimmte, ging ein Raunen durchs Publikum, so nah kam sie dem Original.  © Moritz Fischinger

Neben solchen Legenden stehen jedoch vor allem nüchterne Erklärungen im Raum: enormer Erfolgsdruck, psychische Belastungen sowie ein häufig exzessiver Umgang mit Drogen und Alkohol.

Die Inszenierung selbst zeigt dabei weniger eine endgültige Antwort als vielmehr ein Geflecht aus Biografien, die sich überraschend oft kreuzen und gegenseitig beeinflussen.

Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis: Ihre Musik macht sie unsterblich. "Wir leben für immer in ihren Schatten und sie für immer in unseren Herzen", so Campbell.

Eine rundum emotionale Show, die die traurige Schönheit hinter dem Mythos sichtbar macht und zugleich feinsten Rock ’n’ Roll auf die Bühne bringt.

Einziges kleines Manko der Premiere: Das Publikum brauchte lange, um aufzutauen. Dadurch blieb zunächst etwas Energie im Saal liegen. Am Ende jedoch hielt es schließlich niemanden mehr auf den Sitzen.

"The 27 Club – Legends Never Die" ist noch bis August im St. Pauli Theater zu sehen. Tickets unter st-pauli-theater.de.

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