Geräusche, Gerüche, Small Talk: Für Nico wird der Alltag zum Horrortrip

Leipzig - Wenn der Gang in die Stadt zur Herausforderung wird: Nico-Raphael (33) tut sich sein Leben lang schwer im Umgang mit Menschen, erträgt Geräusche und Gerüche nicht, Small Talk ist ihm ein Graus. Die Diagnose Autismus steht im Raum. Die ZDF-Doku "37 Grad Leben" hat den Leipziger in seinem von Hürden gespickten Alltag begleitet.

Menschenmassen bedeuten eine laute Geräuschkulisse - für Nico-Raphael (33) aus Leipzig der absolute Horror.
Menschenmassen bedeuten eine laute Geräuschkulisse - für Nico-Raphael (33) aus Leipzig der absolute Horror.  © ZDF/Thomas Victor

Kontakt mit Fremden oder gar größere Menschenmengen bedeuten für den 33-Jährigen vor allem eines: Stress. Für ihn sei es oft eine "Katastrophe, überhaupt rauszugehen".

Lieber flüchtet Nico sich in die fiktive Welt von Videospielen. "Ich muss nicht gegenüber einem Menschen stehen, der mich gerade anschaut", erzählt er in der Doku.

Es sei zwar gut, so keinen Gefühlen anderer Menschen oder dem eigenen Stress ausgesetzt zu sein. Doch am Ende zockt er öfter, als ihm lieb ist, da er gerade arbeitslos ist.

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Der Leipziger hat jahrelang als Altenpfleger gearbeitet, doch nach einem Unfall kann er den Beruf nicht mehr ausüben.

"Arbeitslos zu sein, ist sehr anstrengend für jemanden, der anders ist, der Strukturen braucht. Anfänglich bin ich in ein tiefes Loch gefallen", so Nico. Einen neuen Job zu finden, ist nicht einfach, da er aufgrund seiner mutmaßlichen Diagnose nicht alles machen kann.

"37 Grad Leben": Die Jobsuche ist für mutmaßlichen Autisten Nico nervenaufreibend

Wenn er in der Stadt unterwegs ist, braucht der 33-Jährige geräuschunterdrückende Kopfhörer, um die vielen Eindrücke besser ertragen zu können.
Wenn er in der Stadt unterwegs ist, braucht der 33-Jährige geräuschunterdrückende Kopfhörer, um die vielen Eindrücke besser ertragen zu können.  © ZDF/Thomas Victor

Aktuell steckt Nico noch immer in der Autismusspektrum-Diagnostik.

Das heißt, er hat die gesicherte Diagnose noch nicht bekommen. Die würde ihm alles erleichtern, er müsste sich nicht mehr ständig erklären.

Die Jobsuche gleicht so teilweise einem Spießrutenlauf: In normalen Stellenanzeigen ist oft nicht viel dabei, das für Nico und seine Bedürfnisse infrage kommt. Deshalb sucht er auch auf Seiten, die mehr inklusive Jobs beziehungsweise welche für Menschen mit Behinderung anbieten.

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Mehr als 20 Bewerbungen hat er schon geschrieben. Weil oft keine Rückmeldung kam, "bewerbe ich mich eigentlich auf alles", so Nico. "Ich will ja in die Gesellschaft integriert werden und deswegen bin ich bereit, jeden Job anzunehmen."

Auf seinem Weg unterstützt wird der 33-Jährige von seinem Freund Christoph. Dem sei im Hinblick auf seinen Lebensgefährten nicht sofort Autismus in den Sinn gekommen, das war ihm aber auch nicht wichtig.

"Ich wusste, er ist anders, und ich habe geguckt, komme ich damit klar oder nicht", so Christoph.

Da fühlt er sich auf seinem Fahrrad im leereren Park schon deutlich wohler.
Da fühlt er sich auf seinem Fahrrad im leereren Park schon deutlich wohler.  © ZDF/Thomas Victor

Freund Christoph macht Nico "sehr glücklich"

Die Antwort ist offenbar ja, mittlerweile sind die beiden dreieinhalb Jahre zusammen. Anfangs sei es laut Nico nicht einfach gewesen, jemanden so nah an sich heranzulassen. Doch jetzt kann er eines mit absoluter Sicherheit sagen: "Ich bin sehr glücklich."

TV-Tipp: Wie die beiden gemeinsam ihren Alltag bestreiten, seht Ihr am kommenden Sonntag um 9.03 Uhr in der neuen Folge "37 Grad Leben: Anders vernetzt - Autismus" im ZDF oder schon jetzt in der Mediathek.

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