Duisburg - Mit nur 30 Jahren schon Rentner zu sein, ist für viele Menschen kaum vorstellbar. Doch genau so geht es Lena aus Duisburg, die von heute auf morgen ihren geliebten Job aufgeben musste, weil ihr Körper einfach nicht mehr mitmachte. Doch was tun, wenn die Gesundheit einem den Boden unter den Füßen wegreißt?
"Ich bin Lena, 30 Jahre alt und Rentnerin - und ich will endlich wieder arbeiten gehen", stellt sich die junge Frau in der ZDF-Doku "37 Grad Leben" vor. Sie hat 2022 eine Diagnose bekommen, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellte: Multiple Sklerose.
Dabei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Nervenstrukturen angreift. Dadurch werden beispielsweise Taubheitsgefühle, Sehstörungen und Spasmen ausgelöst. Ein tauber Arm war es auch, der bei Lena zur Diagnose führte.
Als Operationstechnische Assistentin, die ihren Beruf über alles liebte, brach eine Welt für sie zusammen, als sie ihn nicht mehr ausüben durfte.
"Ich habe weniger geheult als mir gesagt wurde, 'Sie haben Multiple Sklerose', als in dem Moment, in dem ich mich quasi von meinem OP verabschieden musste", erinnert sich die 30-Jährige mit Tränen in den Augen zurück.
Plötzlich sei sie nur noch zu Hause gewesen, ihr Alltag hatte keine Struktur mehr. Doch am schlimmsten war, dass sie an ihrem persönlichen Sinn des Lebens zweifelte. "Ich habe mich einfach nur als unnütz und vor allem auch als überflüssig gefühlt."
Krankheit stellt Lenas ganzes Leben auf den Kopf: "Ich habe wirklich 24/7 Schmerzen"
Seitdem sind zahlreiche Medikamente ihre ständigen Begleiter: Einmal im Monat spritzt sich die Duisburgerin ihr MS-Medikament, außerdem nimmt sie Muskelrelaxantien und dreimal täglich 800 Milligramm Ibuprofen.
Kein Wunder: "Ich habe wirklich 24/7 Schmerzen." Wegen der Schmerzmittel ist außerdem eine magenschützende Medizin on top notwendig.
Weil sie ihren Beruf aufgeben musste, bezieht Lena eine Erwerbsminderungsrente von 1700 Euro, die auf drei Jahre befristet ist. Ständig zu Hause zu sein - und das meist allein - machte sie fertig. Wäre ihr Hund nicht gewesen, hätte sie dauerhaft im Bett gelegen. "Ich wusste nicht, wofür ich aufstehen sollte."
Eine Psychotherapie half ihr, mit dieser neuen Situation umzugehen, zudem auch der Kontakt mit anderen Betroffenen über Social Media. Sie betreibt einen TikTok-Kanal und ist auch bei Instagram aktiv, will aufklären.
Dass ihr Körper ihr auch noch ihre zweite Leidenschaft nimmt, will Lena auf keinen Fall zulassen: "Tanzen funktioniert noch, weil ich meinen Körper dazu zwinge. Mein Kopf will das und da muss mein Körper einfach mitmachen."
Sie tritt noch mit ihrer Tanzgruppe auf, will zeigen, dass es nicht nur Dinge gibt, die sie nicht mehr kann. Dabei hilft ihr, dass es ihr durch den Wechsel ihres MS-Medikaments bald deutlich besser geht. Ein Grund mehr, hoffentlich bald wieder arbeiten zu können, nachdem sie sogar ein tolles Job-Angebot bekommen hat.
Die ganze Folge "37 Grad Leben: Jung, krank, in Rente" mit Lena und einem weiteren Betroffenen läuft am Sonntagmorgen um 9.03 Uhr im ZDF oder auch in der Mediathek.