"Abgestumpft und arrogant": Eklat bei Jahresrückblick von Markus Lanz wegen Hanau-Attentat

Berlin/Hanau - Der Jahresrückblick "Markus Lanz - Das Jahr 2020" im ZDF sollte am Mittwoch eigentlich für eine allumfassende Rückschau auf das vor allem vom Coronavirus geprägte, ausklingende Jahr werden. Stattdessen gab es im Bezug auf das Attentat von Hanau und heftige Kritik an Moderator Markus Lanz (51).

Moderator Markus Lanz (51) erntete nach seiner Show zum Jahresrückblick heftige Kritik.
Moderator Markus Lanz (51) erntete nach seiner Show zum Jahresrückblick heftige Kritik.  © dpa/Sören Stache

Insgesamt 17 Gäste hatte der erfahrene TV-Moderator in seine abendfüllende Show eingeladen. Darunter unter anderem Fernseh-Koch und Gastronom Tim Mälzer (49), Sänger Johannes Oerding (38) sowie Professor Karl Lauterbach (SPD, 57) und die Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder (CSU, 53) und Armin Laschet (CDU, 59).

Dass das alles überschattende Thema die noch immer brandaktuelle Corona-Pandemie sein würde, sollte allen Beteiligten im Studio und vor den Fernseh-Bildschirmen sicherlich im Vorfeld bewusst gewesen sein.

Doch dass ein Thema, wie die Blutnacht von Hanau, bei der neun Menschen - weitestgehend mit Migrationshintergrund - ihr Leben lassen mussten, derart ins thematische Hintertreffen geraten würde, stieß vielen Zuschauern sauer auf.

Allen voran auch der ebenfalls geladenen Schwester eines der Opfer, Ajla Kurtovic, die ihren Bruder Hamza am späten Abend des 19. Februar verlor, weil Attentäter Tobias R. (†43) an gleich mehreren Standorten in der Stadt im Main-Kinzig-Kreis um sich schoss, insgesamt neun Menschen tötete, ehe er in der gemeinsamen Wohnung dann seine Mutter und sich selbst hinrichtete.

Markus Lanz erntet nach Jahresrückblick und Umgang mit Hanau-Attentat heftige Kritik im Netz

Ajla Kurtovic, Schwester eines der Opfer, spricht bei der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau im Congress Park Hanau
Ajla Kurtovic, Schwester eines der Opfer, spricht bei der Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau im Congress Park Hanau  © Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

Fast zwei Stunden geprägt von Corona mussten zunächst vergehen, ehe Lanz mit den Worten "Wir kümmern uns jetzt um ein weiteres Thema, das in diesem Jahr eine entscheidende Rolle gespielt hat: politisch motivierte Kriminalität von rechts, so nüchtern bezeichnen die Sicherheitsbehörden in Deutschland Straftaten, deren Kern vor allem eins ist, nämlich harter Rassismus. Im Februar traf es Hanau", überleiten wollte.

Noch während der Einspieler über die Bildschirme flimmerte, schien Kurtovic die "Degradierung" der Thematik wohl jedoch zu viel geworden zu sein. Sie erhob sich und stürmte kommentarlos aus dem Studio. Der Moderator wirkte daraufhin sichtlich verdutzt, nahm dennoch umgehend Stellung zum Geschehenen:

"'Ajla Kurtovic, die gerade eben noch hier saß, hat die Sendung verlassen, weil ihr dieser Auftritt offensichtlich schwerfällt und bisschen über den Kopf wächst. Das respektieren wir. Wir haben uns schon einmal hier gesehen in der Sendung, deshalb hat sie sich das zugetraut und sagte: 'Ich komme gerne'. Wie auch immer, ich kann das verstehen. Da merkt man, dass die Wunde immer noch tief ist, die das geschlagen hat."

Im Netz hagelte es im Nachgang heftige Kritik an der recht nüchtern wirkenden Handhabe, die Lanz an den Tag gelegt hatte. Juristin Seda Basay-Yildiz bezeichnete den 51-Jährigen gar als "arrogant und abgestumpft".

Eine weitere Userin stellte klar: "Wir sollten diesen Anschlag nicht vergessen und das Thema und Opfer besprechen.. JA, Corona ist schlimm, aber dieser Anschlag auch!" Ob Lanz zu dem Vorfall nochmals Stellung beziehen wird, wird sich zeigen.

Titelfoto: dpa/Sören Stache

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