Bad Neuenahr-Ahrweiler - Fünf Jahre ist es jetzt her, dass bei der Jahrhundertflut im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) 135 Menschen ums Leben kamen. Eine Katastrophe, die immer noch bei den Betroffenen nachwirkt, vor allem bei jenen, die geliebte Menschen verloren haben.
In der SWR-Doku "Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut - Die Nacht, die blieb ..." haben die Journalisten Kai Diezemann und Thomas Schneider einige der Betroffenen besucht, so auch das Ehepaar Inka und Ralph Orth aus Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Die Orths haben in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ihre damals 22-jährige Tochter Johanna verloren. Das Paar selbst hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub auf Mallorca auf.
Um 20.12 Uhr hatte ihnen Johanna ein noch vorhandenes, aus dem Fenster ihrer Erdgeschosswohnung aufgenommenes Video geschickt. Darin sieht man einen Feuerwehrwagen, der durch die Straße fährt und die Anwohner warnt, sich wegen der angekündigten Flut nicht in Kellern oder tiefer gelegenen Gebäuden aufzuhalten.
Das habe Johanna beruhigt, schildern ihre Eltern, und sie habe sich wegen eines wichtigen Termins am nächsten Morgen früh schlafen gelegt. Doch die Warnung war ungenügend gewesen: Auch Erdgeschosswohnungen hätten geräumt werden müssen.
"Sie hatte Todesangst": Flutopfer rief noch bei den Eltern an
Mitten in der Nacht - gegen 0.30 Uhr - wachte Johanna auf. Da war die Flut bereits da. Die junge Frau wollte die Wohnung verlassen, doch durch die Wassermassen hatte sich die Haustür nicht mehr öffnen lassen. Sie rief ihre Eltern an.
"Johanna war ganz panisch und sagte, sie stehe bis zu den Knien im Wasser", sagt ihre Mutter. "Dann schrie sie, die Möbel bewegten sich, und die Verbindung brach ab." Es war das letzte Lebenszeichen ihrer Tochter. "Was für eine Angst in diesem Anruf lag", sagt Vater Ralph mit Tränen in den Augen "Sie hatte Todesangst."
Die weitere Rekonstruktion der Ereignisse ergab, dass Johanna die Wohnung wohl durch eine Terrassentür verlassen konnte. Doch draußen wurde sie vom Wasser mitgerissen.
Zwei Tage später fand man ihre Leiche in der Tiefgarage des Hauses, wohin sie wohl gespült worden war.
Hätte der Tod so vieler Menschen verhindert werden können?
Hätte Johannas Tod verhindert werden können, wenn die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen besser gewesen wären?
Mit anderen Betroffenen klagte das Ehepaar gegen den zuständigen Landrat.
Doch trotz der festgestellten Mängel wurde eine Anklage schließlich abgewiesen. Man habe nicht mit absoluter Sicherheit belegen können, dass auch bei ausreichenden Vorbereitungen die Menschen überlebt hätten - eine umstrittene Entscheidung.
So bleiben dem Ehepaar Orth nur die Trauer und die Erinnerungen an die Verstorbene. "Was mir extrem fehlt, ist das In-den-Arm-Nehmen, diese Wärme spüren", sagt Inka. "Dafür würde ich alles geben."
Zu sehen ist die Dokumentation bereits zum Streamen in der ARD-Mediathek.