Expertise? Egal! "Bares für Rares"-Gast beharrt erst auf Wunschpreis, dann haut er ab
Köln - Verwirrung bei "Bares für Rares": Obwohl sein Objekt nicht authentisch ist, gelangt Marcus in den Händlerraum. Die Gebote sind fair, dennoch pfeift der Verkäufer auf die Kohle - und geht.
Der 57-jährige Duisburger kommt mit einer Dose in das Pulheimer Walzwerk, die sich nach näherer Betrachtung durch Expertin Heide Rezepa-Zabel (60) als altes Schmuckkästchen entpuppt. Allerdings wurde dieses von der Familie anders genutzt.
"Da waren Knöpfe drin, die war in einem Nähschränkchen", verrät Marcus im Gespräch mit Moderator Horst Lichter (64). Er habe das gute Stück im Vorfeld sogar schon metallurgisch überprüfen lassen: "Die scheint von 1774 zu sein, dem Stempel nach zu urteilen", glaubt er.
Eine Punze mit "L wie Ludwig" soll der Beweis sein. Doch Rezepa-Zabel hat schlechte Nachrichten: Alle Punzen sind nicht scharf. Es handele sich nicht um echte Amtspunzen, sondern nur um sogenannte "Dekorationspunzen" oder "Pseudomarken".
Bewusst gefälscht wurde in diesem Fall aber nicht. Die 60-Jährige datiert die Herstellung zwischen 1880 und 1910. "Die Irreführung ist nie gewollt worden", so ihr Fazit. Sie habe zu jener Zeit lediglich dem "historisierenden Eindruck" gedient.
Aus diesem Grund gibt es auch die Händlerkarte. Beim Wunschpreis von 750 Euro kann Rezepa-Zabel allerdings nicht mitgehen. Sie schätzt den Wert der Dose auf 500 bis 600 Euro. Bei einem Original hätte die Expertin sogar noch eine Null drangehängt. Schade.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
"Bares für Rares"-Verkäufer pfeift auf Expertise und fordert Wunschpreis
Obwohl seine Annahme, ein altes Original zu besitzen, widerlegt wurde, möchte Marcus sein Schmuckkästchen verkaufen und zeigt sich auch verhandlungsbereit. Doch Wolfgang Pauritsch (54) bemerkt im Auktionsraum sofort: "Das sind Pseudopunzen!"
Trotzdem findet er das Mitbringsel "wunderschön gemacht". Sein Startgebot liegt bei 250 Euro. "Man denkt, die Dose ist viel älter, aber die wird jetzt 130 Jahre alt sein", doziert er weiter. Auch Daniel Meyer (52) und David Suppes (37) haben Interesse.
"Was sagen Sie denn zu den Geboten?", erkundigt sich Pauritsch, als mit 500 Euro die untere Grenze der Expertise erreicht ist. Marcus guckt zerknirscht. Da dreht der Händler den Spieß um und fragt: "Für welchen Preis würden Sie die Dose hierlassen?"
Der Verkäufer scheint die Expertise schon wieder vergessen zu haben und fordert erneut 700 Euro. Auf Nachfrage gibt er aber zu, dass sich die Summe nicht mit der Schätzung von Rezepa-Zabel deckt. Doch selbst 550 Euro lehnt Marcus ab. Dann sagt er: "Ich nehme sie wieder mit" - und geht. Zurück bleiben fragende Gesichter.
"Bares für Rares" läuft montags bis freitags, ab 15.05 Uhr, im ZDF oder vorab bereits in der Mediathek.
Titelfoto: Screenshot/ZDF/Bares für Rares

