Hamburg - Was für ein Albtraum! Reise-Bloggerin Jil Eileen Füngeling (31) erlebte vor vier Jahren bei einem Trip durch Namibia ein wahres Horror-Erlebnis. Bei einem Unfall wurde sie lebensgefährlich verletzt und erhielt eine niederschmetternde Diagnose. In der Talkshow "deep und deutlich" sprach sie nun mit den Moderatorinnen Aminata Belli (34) und Lola Weippert (30) über den Vorfall.
Mit ihrem Partner Jaimy erlebte die damals 26-Jährige eigentlich einen Traumurlaub. "Wir hatten die allerschönste Reise, Top drei", erzählte Jil - bis es eben zu dem folgenschweren Unfall kam.
"Eigentlich ganz lustig, ich habe eine Story gemacht, so zehn Minuten vor dem Unfall, wie ich so sage: 'Es ist so krass, uns kommt kein Mensch entgegen, wir fahren hier schon seit Stunden'", erinnerte sie sich. Doch plötzlich schrie ihr Freund: "No, no, no!" Als Jil hochblickte, war es fast schon zu spät. Sie sah nur noch, wie ihnen ein weißes Auto entgegenkam. "Das sind meine letzten Erinnerungen, weil danach war ich weg."
Es kam zum Crash. Auf Bildern ist zu sehen, dass der entgegenkommende Wagen genau in die Seite gekracht war, wo Jil gesessen hatte. Während ihr Freund unten im Fahrzeug lag, hing sie oben angeschnallt fest - bewusstlos. "Ich bin irgendwann wach geworden, aber das hat bestimmt 20 Minuten gedauert", sagte sie. "Mein Freund dachte, ich wäre gestorben, weil ich auch so letzte Atmungen gemacht habe."
Dennoch versuchte er sie zu befreien. Als es ihm gelang, fiel Jil auf ihn hinunter. "Das Erste, was ich zu ihm gesagt habe, war: 'Meine Wirbelsäule ist gebrochen.' Das Zweite war, er soll mir in die Beine kneifen, weil ich wissen wollte, ob ich sie noch spüren kann." Und sie spürte sie. "Das war das Zeichen für mich, dass alles gut ist."
Jil Eileen Füngeling erlitt zahlreiche Brüche: "Konnte nur meine Arme bewegen"
Ohne große Hilfe musste das Paar rund eine Stunde in seinem Auto verharren. Auch, weil Ersthelfer sich zunächst um die Insassen des anderen Autos gekümmert hatten. "Die waren 86 Jahre alt, aber nicht so schwer verletzt."
Ganz im Gegensatz zu Jil. "Ich hatte einen Schädelbasisbruch", erzählte sie und begann aufzuzählen, was noch alles gebrochen war: das Brustbein, die rechte Schulter, sechs Rippen, beide Hände, zwei Wirbel, der linke Beckenkamm, beide Schambeine und das Kreuzbein. "Der rechte Fuß war komplett zertrümmert", erzählte die mittlerweile 31-Jährige. "Alleine die Ferse waren 17 Einzelteile."
Erst eine niederländische Unfallchirurgin, die zufällig vorbeigekommen war, erkannte den Ernst der Lage und wollte Jil aus dem Wagen herausholen. "Das Einzige, was ich machen konnte, war meine Arme bewegen."
Und es gab noch ein weiteres Problem: Es gab kein Netz, sodass niemand einen Krankenwagen rufen konnte. Es musste erst jemand eine halbe Stunde durch die Wüste fahren, um einen Notruf absetzen zu können. Nachdem Jil erneut mehrfach bewusstlos geworden war, entschied die Chirurgin, sie aus dem Fahrzeug herauszuholen. "Das war der schlimmste Moment in meinem ganzen Leben", gestand sie.
Durch ein kleines Fenster wurde sie rausgehoben, von unten hat Jamie gegen ihren Po gedrückt. "Ich habe nur geschrien und bin dabei immer wieder bewusstlos geworden." Weil die Lage so ernst war, fuhren die Helfer Jil irgendwann dem Krankenwagen entgegen. Nach dreieinhalb Stunden war sie endlich in einem Krankenhaus.
Kölner Arzt rettet Jil Eileen Füngeling nach Horror-Unfall in Namibia
"Ich habe mich hilflos gefühlt und hatte unfassbare Schmerzen", beschrieb sie ihre Situation. Die Ärzte in Namibia sagten zu ihr, dass sie wahrscheinlich nie wieder gehen könne und ihr Fuß amputiert werden müsse. "Wir haben die Röntgenbilder europaweit an Ärzte geschickt und ein Arzt in Köln hat zu mir gesagt: 'Komm vorbei, wir gucken es uns an.'"
Und das war ihre Rettung. Mit einem Spezialflieger wurde Jil nach Deutschland gebracht, wo man ihr sagte, dass ihr Fuß so aussehen würde, als sei sie aus dem zehnten Stock gesprungen. Entsprechend düster sah auch die erste Prognose aus: "Es hieß: Wir können das probieren zu operieren, aber die Chance, dass das was wird, liegt vielleicht bei zwei bis drei Prozent", machten ihr die Ärzte wenig Hoffnung.
Auch wenn sie versuchte, positiv zu bleiben, weinte sie zwischendurch tagelang. "Ich war so krass auf Medikamenten, habe acht Monate Opiate genommen, dass ich einen Entzug machen musste. Ich war komplett bettlägerig mit 27 und habe Pampers getragen. Ich habe meine Würde verloren", gestand sie.
Immer an ihrer Seite war aber ihr Freund. "Das hat uns noch krasser zusammengeschweißt." Dabei hatte sie sogar zu ihm gesagt, dass er sie verlassen und sich eine gesunde Frau suchen solle. Doch er blieb - bis heute. Und unterstützt sie weiterhin, denn noch immer leidet Jil bei jedem Schritt unter Schmerzen.