"Die braucht keiner"? Pilotprojekt zwingt junge Langzeitarbeitslose zur Arbeit

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Leipzig/Nordhausen - Im thüringischen Nordhausen ist im Herbst 2025 ein Projekt angelaufen, welches junge Langzeitarbeitslose unter 25 Jahren zur Arbeit verpflichtet - getreu nach dem Motto: Keine Arbeit, kein Bürgergeld. MDR-"exactly" schaut sich an, ob das funktioniert und stößt nicht nur auf Zuspruch.

Luisa (19) sieht die Maßnahme als eine Chance an.
Luisa (19) sieht die Maßnahme als eine Chance an.  © MDR/Knud Vetten

Luisa ist alleinerziehende Mutter, sie nimmt an dem Pilotprojekt teil. Die 19-Jährige möchte arbeiten und hat auch eine Ausbildung in der Pflege in Aussicht. Durch die Maßnahme schafft sie es, ein geregeltes Leben zu führen. "Ich stehe halt frühs auf, habe einen Rhythmus", erzählt sie dem MDR.

Doch das sieht nicht bei allen Teilnehmern so aus. Manche kommen unregelmäßig, melden sich nicht ab oder suchen Ausreden. Und das hat Konsequenzen.

Wenn die Bürgergeld-Empfänger nicht mitmachen, folgen Kürzungen. Beispielsweise wird 30 Prozent weniger Geld bei wiederholten unentschuldigten Fehlen gezahlt. Wer überhaupt nicht erreichbar ist und das mehrfach, bekommt bis zu 100 Prozent seiner Leistungen gestrichen.

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In der Werkstatt in Bleicherode sind aktuell zehn junge Langzeitarbeitslose beschäftigt. Der Standortleiter Thomas Apitus kritisiert vor allem fehlenden Rückhalt. "Weil die Gesellschaft sehr schnell dabei ist, Menschen abzustoßen, zu verachten und zu sagen 'die werden sowieso nie was, die braucht keiner'", so seine Erfahrung.

Das Projekt findet Zuspruch, erntet aber auch Kritik.

Projekt bedient nur "irgendwelche autoritären Fantasien"

Helena Steinhaus blickt dem Projekt kritisch entgegen.
Helena Steinhaus blickt dem Projekt kritisch entgegen.  © MDR/Knud Vetten,

Helena Steinhaus von Sanktionsfrei e.V. in Berlin kritisiert das Projekt stark. Sie setzt sich für eine bedingungslose Grundsicherung ein.

"Soweit ich das mitbekommen habe, reden wir da über junge Menschen, die es in ihrem Leben bisher nicht einfach hatten", erzählt sie.

Der richtige Weg wäre ihrer Meinung nach, sich Zeit für diese Personen zu nehmen und ihnen Hilfe und Perspektiven anzubieten.

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Mit Zwang bediene man nur "irgendwelche autoritären Fantasien", so Steinhaus.

Sven Schulze (46, CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, hat sich die Maßnahme im benachbarten Thüringen angeschaut. Sein Fazit: "Das ist ein tolles Projekt". Menschen, die nicht arbeiten wollen, müsse man mit "mehr Druck und Sanktionen" behandeln. "Am Ende geht es um soziale Gerechtigkeit."

Die Meinungen sind Zwiegestalten und die Erfolgsquote? Etwa eine Person jährlich kann Thomas Apitus in ein Angestelltenverhältnis vermitteln.

TV-Tipp: Die "exactly"-Folge mit dem Titel "Jobcenter greift durch: Arbeitspflicht für Arbeitslose?" könnt Ihr am Mittwoch, dem 6. Mai ab 20.15 Uhr im MDR oder schon jetzt in der Mediathek sehen.

Titelfoto: Montage: MDR/Knud Vetten

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