Dingolfing-Landau - "Die Frage, die ich mir sehr oft gestellt habe (...), ist: Warum habe ich Vollidiot Deutschlands größten Darknet-Marktplatz betreiben müssen?" Das ist der erste Satz, den "Sudo" in der gleichnamigen Doku in die TV-Kamera sagt.
"Sudo" heißt eigentlich Louis K., kommt aus Niederbayern – mutmaßlich Mengkofen. Genau weiß man das nicht. Die Mitschüler terrorisieren ihn, schließen ihn aus, attackieren ihn. Eines Tages bekommt er den Schlüssel in eine neue Welt: einen alten Laptop.
Schnell lernt er den Umgang mit Programmen, zu Codieren, den Weg ins Darknet. Mit 18 Jahren startet er einen illegalen Online-Marktplatz.
"Deutschland im Deep Web 3" ging im November 2018 an den Start. Am 25. Oktober 2022 wurde "Sudo" festgenommen.
Doch mit diesem Ziel ging er damals gar nicht ins Darknet. Aufgrund seiner Fähigkeiten und seines Wissens wurde er hier nicht mehr ausgestoßen. "Da konnte ich ich sein. Da konnte Louis Louis sein", gesteht der inzwischen verurteilte Straftäter. Darum liebte er diese neue Welt. Der große Knackpunkt seiner Hacker-Karriere war dann jedoch ein Lehrer. Dieser hielt nämlich nichts von Datenschutz oder Privatsphäre.
Da auf einen Gymnasiumschüler eh nicht gehört wird, entschied Louis, einen radikalen Weg: Er hackte den PC des Lehrers und schrieb ihm eine E-Mail; zeigte ihm dessen digitalen Fußabdruck. Von Sex-Seiten bis sensible Schülerdaten. Doch die Schule findet heraus, wer der "Täter" war.
Schule täuscht Deal vor und fällt Louis in den Rücken – ein einschneidender Vorfall
Sie schlägt einen Deal vor: Louis berichtet, wie er den PC gehackt hat – und wird dafür nicht angezeigt. Der Schüler berichtet – und wird angezeigt. Sogar der Schule verwiesen.
Ab diesem Tag gab es nur noch ein Mindset für Louis: "Fuck you!" Diese beiden Worte wiederholt er mehrfach vor der Kamera. Aus Louis wird "Sudo". Der Typ mit dem Drogen- und Waffen-Marktplatz im Netz.
Ihm ist klar: Irgendwann werden sie ihn schnappen. "Die Polizei darf 100.000 Fehler machen. Du nicht einen einzigen", sagt er. Louis kennt die Wahrscheinlichkeiten: Es wird passieren, es muss irgendwann passieren.
Als er inzwischen im Landshuter Studentenheim einmal mehr darauf wartet, dass der Tag X kommt, stürmen Beamte die Wohnung. Durch einen "bedauerlichen Unfall" verschlüsselt er "versehentlich" noch alle Daten, während die Einsatzkräfte ihn bereits in der Mangel haben. Einer Verurteilung kommt er am Ende dennoch nicht aus.
Die BR-Doku-Serie mit dem Namen "SUDO - Vom Schüler zum Darknet-Boss" ist unter der Reihe "ARD Crime Time" ab Freitag, 21. August, in der ARD-Mediathek abrufbar. Das "Erste" zeigt die Doku ab 31. August, 23.35 Uhr. Der BR wiederholt seine Produktion ab 16. September um 22.45 Uhr.