Eltern besuchen misshandelten Sohn Ole im Jugendheim: "Es stank nach Urin, sein Zustand war desolat"

Magdeburg - Als seine Familie aufgrund seines Verhaltens nicht mehr mit Ole klarkommt, sogar die Polizei rufen muss, landet der Grundschüler in der Psychiatrie. Der Magdeburger Junge wird in verschiedene Einrichtungen gesteckt. So lang, bis er mutmaßlich von Security-Personal misshandelt wird.

Blaues Auge, blutige Lippe: Verletzungen, die sich Ole angeblich selbst zugefügt hat.  © MDR/Rumara

Nach Aufenthalten in Jugendheimen und auch immer wieder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie landet Ole in Titz, 45 Autominuten westlich von Köln. Auf einem Bauernhof wird er untergebracht, soll durch Mitarbeiter der Firma Redsox einzelpädagogisch betreut werden.

"Er war überwiegend eingesperrt, damit andere keine Arbeit mit ihm haben, weil er unbequem war", berichtet Gabi Hoffmanns in der MDR-Doku "Verwahrt, verletzt, vergessen". Ole habe mit dem Kopf gegen die Scheibe gehauen und geschrien. "Essen oder pädagogische Unternehmen gab es auch nicht regelmäßig."

Die Eltern durften ihren Sohn lange nicht besuchen, wurden immer wieder vertröstet. Dann aber kommt es zum Treffen. "Wir waren entsetzt", erinnert sich Mama Kristin zurück. "Es stank nach Urin, sein Zustand war desolat."

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Später kommt heraus: Redsox hatte keine Betriebserlaubnis für die angebotene stationäre Betreuung. Der Betrieb wird untersagt, Ole kommt abermals in eine Klinik. Zweieinhalb Jahre ziehen ins Land.

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MDR-Doku über Systemsprenger: Ole wurde mit Gesicht in Urin gedrückt

Oles Eltern und Geschwister kamen nicht mehr mit ihm zurecht.  © MDR/Rumara

Zwischenzeitlich wird das Sorgerecht der Eltern eingeschränkt. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Gesundheitsfürsorge werden auf einen Vormund übertragen. Fortan häufen sich Verletzungen an Oles Körper: blaue Flecke, ein gebrochener Arm.

In einer Juni-Nacht 2023 soll Ole laut Protokoll die Security angespuckt haben, worauf er auf den Boden gedrückt wurde, auf den er uriniert hatte - kein untypisches Verhalten von Menschen in einer Psychiatrie. Der Junge soll "nicht dahin, wo die Pisse ist" gesagt haben, doch genau dorthin sei sein Gesicht gedrückt worden.

Eine halbe Stunde später soll er an beiden Beinen aus dem Bett gezogen worden, dabei mit Rücken und Kopf auf dem Boden aufgeschlagen sein. "Ole blutet aus dem Mund, wird weiterhin auf den Boden gedrückt. Das Knie des Secu drückt ins Gesicht und auf die Brust", heißt es.

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Es folgt ein Prozess gegen zwei Sicherheitsangestellte, die zu mehr als einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt werden. Anschließend erhalten die Eltern das Sorgerecht zurück.

Oles Betreuerin Alina Berg beobachtete, wie mit dem Jungen umgegangen wurde.  © MDR/Rumara

Eltern und Schwester verzweifelt: "Wir wollten nicht die Polizei rufen, aber wir waren hilflos"

Ole wurde unter anderem im Klinikum Magdeburg vorstellig.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Aber wie konnte Ole jahrelang scheinbar ohne direkten Therapieplan weitergereicht werden?

"Wir sind alle vier nicht mehr gegen ihn angekommen", gibt Oles Schwester Maren zu. "Wir wollten nicht die Polizei rufen, aber wir waren hilflos."

Schon im Kindergartenalter sei Ole auffällig gewesen, war ruppig, agierte aggressiv. In der Schule kassierte er regelmäßig Einträge, andere Eltern beschwerten sich bei seiner Familie.

Schon als Neunjähriger landet der Magdeburger erstmals in der Psychiatrie, viereinhalb Monate lang. "Dass er Tag und Nacht von zu Hause weg war, tat ihm nicht gut", weiß Mama Kristin, die die vielen Umzüge ihres Sohnes hilflos mitansehen musste.

Die MDR-Doku "Verwahrt, verletzt, vergessen - Abgestempelt als Systemsprenger" mit einem weiteren Fall seht Ihr am Mittwoch (29. Juli) ab 23.35 Uhr in der ARD und schon jetzt in der Mediathek.

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