Freunde und Familie jahrelang belogen: Sachse landet wegen Videospielen in Klinik
Leipzig - Die tägliche Bildschirmzeit bei vielen Kindern und auch bei Erwachsenen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Das Handy ist für viele unverzichtbar geworden. In der Y-Kollektiv-Reportage des MDR "Wegen Handy in die Klinik!?" untersucht Reporterin Helena Brinkmann, wann aus dem Medienkonsum eine Sucht wird und wie es Betroffenen geht.
Helena Brinkmann trifft Eddy (Name von der MDR-Redaktion geändert) aus Leipzig das erste Mal in den Saluskliniken Lindow (Brandenburg). Als er 12 Jahre alt war, hat er angefangen, regelmäßig zu zocken. Das hat sich bis zum Erwachsenenalter fortgesetzt.
Irgendwann hat er seine Freundin und seine Familie angelogen. Statt zu studieren, ist er in die Bibliothek gegangen, um zu zocken. "Verdrängung und Vermeidung von Konflikten und negativen Gefühlen sind auf jeden Fall ein Thema bei mir", erzählt er in der Doku.
"Das fing an, als ich schon im Kindergarten gemobbt wurde. Anschluss habe ich dann über Gaming gefunden", erinnert Eddy sich.
Damit ist er nicht allein. Robert Schöneck, Direktor der Saluskliniken Lindow, beobachtet das immer häufiger. "Wenn jemand im realen Leben Schwierigkeiten hat, soziale Kontakte zu knüpfen, fällt es in der virtuellen Welt oft leichter", so der Psychologe. Bei vielen entstehe dann das Gefühl, dass sie im realen Leben nichts taugen, online aber schon.
Ob man von einer Sucht betroffen ist, erkennt man laut dem Experten daran, wie man sich fühlt, wenn man die Nutzung von Medien einstellt. Unruhe, schlechter Schlaf und schlechte Stimmung seien Symptome für eine Sucht. Ebenso, wenn man weiß, dass man sich selbst und anderen mit seinem Verhalten schadet, es aber einfach nicht lassen kann.
Eddy aus Leipzig kämpft sich zurück in den Alltag
Für Eddy aus Leipzig war genau das der Wendepunkt. Kurz nachdem er seiner Freundin von seinen Lügen erzählt hatte, begab er sich in Therapie. Sein Alltag dort besteht aus strikten Routinen und "Offline-Aktivitäten", wie Nähen oder Bogenschießen.
Helena Brinkmann trifft ihn noch einmal nach dem Abschluss der Suchttherapie. Er ist zurück in seiner Heimatstadt und versucht, wieder in den Alltag zu finden.
"Ich fühle mich gut", sagt er und erklärt: "Ich habe versucht, mir so viel wie möglich aus der Klinik zu behalten. Ich stehe 6.30 Uhr auf, mache Frühstück und Sport und dann etwas Produktives. So kriege ich die Woche schon gefüllt."
Er besucht weiterhin Therapiesitzungen und beschäftigt sich wieder mehr mit seinen sozialen Kontakten. Trotzdem hatte er schon einen Ausrutscher und hat sich eine Stunde lang auf Google verloren.
Eddy ist nur einer der Protagonisten der Doku. Die ganze Folge mit weiteren Geschichten von Betroffenen könnt Ihr jetzt in der ARD Mediathek streamen.
Titelfoto: Bildmontage: MDR/Phillip Mall

