Sorgerechtsstreit eskaliert: Mutter festgenommen, obwohl Tochter unbedingt bei ihr leben möchte

Leipzig/Frankfurt - Wie ist es für die Kinder, wenn ein Sorgerechtsstreit so eskaliert, dass am Ende eines der Elternteile hinter Gittern sitzt? Die MDR "Umschau" begleitet seit einigen Jahren einen besonders harten Fall, der selbst Experten sprachlos macht.

Nach der Trennung der Eltern begann der Streit um die Kinder. (Symbolbild)
Nach der Trennung der Eltern begann der Streit um die Kinder. (Symbolbild)  © Peter Kneffel/dpa

"Ich sitze hier im Gefängnis, weil meine Tochter nicht zu ihrem Vater möchte", erzählte Annette W. (38) in der Sendung.

Nach der Trennung von ihrem Mann begann ein Streit um das Sorgerecht für die gemeinsamen Töchter. Sie wohnten zwischenzeitlich bei dem Vater, doch sehnten sich nach der Mutter und rannten 2021 das erste Mal von zu Hause weg zu ihrer Mutter. Die Polizei wurde mehrfach eingeschaltet.

Die älteste Tochter unternahm einige Monate später einen weiteren Fluchtversuch, und dieses Mal entschied die Mutter, dass ihr Kind nicht zurückmusste. 2023 wurde eine Ordnungshaft gegen Annette W. verhängt, weil sie das Mädchen manipulieren würde, obwohl das Jugendamt keine Kindeswohlgefährdung sah.

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Zusammen mit ihrer Tochter tauchte sie unter, zog nach Frankfurt und versuchte, ein neues Leben zu starten. Das Mädchen wurde online unterrichtet, hatte gute Noten, war in einem Verein und dort gut integriert.

Doch im November 2025 wurde Annette W. festgenommen. Ihre Tochter kam zuerst zu einer Freundin der Familie, die sie als Pflegekind aufnehmen wollte, aber stattdessen steckte das Frankfurter Jugendamt sie in ein Heim. Von dort schrieb sie erschreckende Briefe, unter anderem auch an das Team der "Umschau".

Annette W. wurde auf dem Weg zur Arbeit verhaftet. (Symbolbild)
Annette W. wurde auf dem Weg zur Arbeit verhaftet. (Symbolbild)  © Marcus Brandt/dpa

Experten zeigen sich schockiert über das Vorgehen

Annette W. hofft auf das Bundesverfassungsgericht. (Symbolbild)
Annette W. hofft auf das Bundesverfassungsgericht. (Symbolbild)  © Uli Deck/dpa

Die Journalisten zogen Experten dazu. Kinderschutzexpertin Sonja Howard zeigte sich schockiert, dass die Behörden es zulassen, dass das Mädchen immer wieder gegen ihren Willen von der Mutter getrennt wird. "Es geht nicht darum, das Kindeswohl zu achten, denn die 14-Jährige wurde vermutlich wieder traumatisiert. Hier geht es nur darum, die Mutter abzustrafen, weil sie sich nicht beugen wollte", so Howard.

Auch der Experte für Familienrecht Prof. Dr. Ludwig Salgo kann die Prozesse nicht nachvollziehen. "Es werden hier fundamentale Rechte dieses Kindes nicht beachtet. Der hinzugerufene Staat hat diesen Scherbenhaufen noch vergrößert", erklärte er.

Annette W. versuchte, ihre Haft zu verkürzen, doch alle Anträge wurden abgelehnt, weil sie laut den Gerichten zu wenig Einsicht zeigte. "Ich habe sie nicht entführt und würde sie auch nicht entführen. Auch wenn man die Tochter befragt, wird sie sagen, dass sie bereitwillig gegangen ist", wiederholte sie.

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Sie zieht nun vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Wie es für sie nach der Haft weitergeht, ob sie wieder einen Job bekommt und ob ihre Tochter jemals wieder von dem Heim zu ihr ziehen darf, ist noch nicht klar.

Die ganze Folge der MDR Umschau vom 10. März seht Ihr in der ARD Mediathek. Weitere Themen aus den Sendungen findet Ihr online beim MDR.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Kneffel/dpa; Marcus Brandt/dpa

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