Nach schrecklichem Bären-Angriff: Star-Tierfilmer Kieling verrät, was ihm das Leben rettete

Köln/Hümmel/Gotha - Zwei Wochen nach einem Bären-Angriff, bei dem Andreas Kieling (63) schwer verletzt worden ist, sprach der aus Thüringen stammende Tierfilmer und Naturfotograf am Mittwoch bei "SternTV" erstmals live im deutschen Fernsehen über die Attacke und ein Körperteil, das offenbar sein Leben rettete.

Andreas Kieling (63) wirkt oftmals so tiefenentspannt. Auch über die heftige Bären-Attacke in den Karpaten, im westukrainisch-rumänischen Grenzgebiet, spricht der Naturfotograf und Tierfilmer völlig ruhig und sachlich - ohne Aufregung. (Archivbild)
Andreas Kieling (63) wirkt oftmals so tiefenentspannt. Auch über die heftige Bären-Attacke in den Karpaten, im westukrainisch-rumänischen Grenzgebiet, spricht der Naturfotograf und Tierfilmer völlig ruhig und sachlich - ohne Aufregung. (Archivbild)  © Michael Reichel/dpa

Die linke Hand und sein Arm sind nach wie vor dick verbunden, als Andreas Kieling am Mittwoch im roten Stern-TV-Sessel Moderator Steffen Hallaschka (51) gegenübersitzt. Im Hintergrund ist eine Aufnahme kurz nach dem Bären-Angriff zu sehen - Kieling sitzt blutüberströmt auf einer Wiese.

"Im Ergebnis sieht das so aus, als würde man sich beim Schachspielen 'nen Trümmerbruch holen", sagt Hallaschka zu Beginn der Sendung - irgendwie unpassend, auch wenn der Moderator dabei auf den Umstand anspielen will, dass Kieling im ukrainisch-rumänischen Grenzgebiet unterwegs war, um vergleichsweise harmlose Tiere zu filmen. Nach Vögel-Filmen sehe das nicht aus, so der 51-Jährige.

In "seinen 28 Jahren Alaska" habe er bereits zwei Bärenangriffe erlebt, berichtet der Tierfilmer in einem eingespielten Clip. Dort sitzt der aus Gotha stammende Kieling draußen auf seinem Hof in der Eifel. "Aber das war mit Abstand der heftigste", schiebt er hinterher. Für einen Moment habe er gedacht: "Das war's jetzt. Das überlebst du nicht!"

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Doch Andreas Kieling überlebte den heftigen Angriff, sitzt an diesem 24. Mai im Studio der RTL-Talksendung. "Es ist, glaube ich, nicht übertrieben, wenn ich sage, wir hätten genauso gut heute einen Nachruf auf Andreas Kieling senden können", sagt Hallaschka.

Kurz davor scheint Kieling emotional ergriffen, als er bei den Aufnahmen auf seinem Hof in der Eifel sagt, dass es an dem Ort, wo sich der Bären-Angriff zugetragen hat, um Leben und Tod ging. Es sei ein Ort, an dem er nicht nochmal unterwegs sein müsse, glaubt er. Gleichzeitig betont er jedoch, dass er weiterhin in seinem Leben Bären filmen werde.

Bär wollte die Halswirbelsäule durchbeißen

Andras Kieling wurde bei dem Bären-Angriff schwer verletzt. Instinktiv schützte er seinen Hals mit seinen Armen, ansonsten würde er womöglich nicht mehr leben.
Andras Kieling wurde bei dem Bären-Angriff schwer verletzt. Instinktiv schützte er seinen Hals mit seinen Armen, ansonsten würde er womöglich nicht mehr leben.  © facebook.com/Andreas.Kieling/Montage

"Es waren 18,5 Grad. Die Vögel sangen im Wald. Maikäfer flogen um mich rum - und ich war gut gelaunt", erinnert sich der 63-Jährige in dem Einspieler an den Tag, an dem er fast gestorben wäre. Er habe auch schon ein paar gute Aufnahmen gedreht. Es schien also ein guter Tag zu werden. Doch dann kam es plötzlich zu dieser schrecklichen Wendung! Ein Bär griff ihn an.

"Wie er dann mit seinen Zähnen auf meinem Schädel rum genagt hat - das ist auch 'n Geräusch und 'ne Situation, die werde ich natürlich nie vergessen. Das sind unfassbare Schmerzen", berichtet er und wundert sich, dass er angesichts dieser Schmerzen nicht ohnmächtig geworden sei.

Anschließend sei er eine Zeitlang liegen geblieben. Als er glaubte, der Bär ist weg - und das war er dann auch, so Kieling - sei er losgelaufen. Nach 400 bis 500 Metern sei er schließlich auf den Guide getroffen. Sofort ging es ins Krankenhaus. Aufnahmen zeigen, wie Kieling auf einem Bett liegt, dabei am linken Arm von medizinischem Personal versorgt wird. Sein linkes Bein zittert wie verrückt.

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Der Bär habe die Kopfhaut nach vorne gerissen, berichtet er. Nach Angaben von SternTV wurde seine linke Hand zertrümmert. Zudem hat der Bär den Angaben nach in den rechten Arm gebissen. Der Tierfilmer wisse, dass Bären, wenn sie erregt sind, versuchen, die Halswirbelsäule durchzubeißen.

Er habe deshalb die Arme hinter dem Kopf verschränkt. "Die Hand hat mir eigentlich das Leben gerettet", sagt er bei den Dreharbeiten auf seinem Hof in der Eifel und legt seine rechte Hand auf die verbundene linke. "Ansonsten wär's der Hals gewesen", betont er.

Kieling: "Ich habe eine magische Grenze überschritten"

Der in den Karpaten von einem Bären angegriffene Tierfilmer Andreas Kieling betont, dass Bären eigentlich scheue Tiere seien. Er selbst habe letztlich eine Grenze überschritten. Das Tier treffe keine Schuld. (Symbolbild)
Der in den Karpaten von einem Bären angegriffene Tierfilmer Andreas Kieling betont, dass Bären eigentlich scheue Tiere seien. Er selbst habe letztlich eine Grenze überschritten. Das Tier treffe keine Schuld. (Symbolbild)  © 123RF/jmrocek

Zurück im Studio fragt Moderator Hallaschka den Rheinland-Pfälzer, ob er nach "so 'nem existenziellen" Erlebnis nicht mal innehalte und sage: "Um Himmels willen, Andreas! Warum setzt du dich diesem Risiko überhaupt aus?" "Ja, ich denke, man lebt nur einmal", antwortet Deutschlands bekanntester Tierfilmer ganz nüchtern.

Er sei halt neugierig aufs Leben und die Natur. Dass es bei Wildtieren, die rein instinktgesteuert seien, mal zu Unfällen komme, sei "ganz klar", führt Kieling weiter aus - wie gewohnt - sehr ruhig und nahezu tiefenentspannt wirkend.

Hallaschka meint, das klinge so lässig. "Nein, nein, nein, nein, nein. Das soll's nicht!", entgegnet der mit 16 Jahren aus der DDR geflohene Dokumentarfilmer, während der Moderator noch am Ausführen ist.

Er würde nicht im Studio sitzen, wenn er nicht die "Gabe" besitze, sich in die "Seele, [...] in das instinktive Verhalten" von Tieren hineinversetzen zu können. Dadurch könne er den Unfall "wahrscheinlich" besser analysieren als jeder Psychologe in Deutschland. Zuvor meinte Hallaschka, er hätte sich in Kielings Situation vier Wochen Auszeit genommen und "vielleicht" auch mal mit einem Psychotherapeuten gesprochen.

Wie Andreas Kieling bereits Mitte Mai via Social Media mitgeteilt hatte, betonte er auch bei SternTV, dass den Bären keine Schuld treffe. Der größte Fehler, den er begangen habe: Er war auf der Vogelpirsch! "Da verhältst du dich extrem leise und ruhig", erklärt er. Der Naturfilmer sei gegen den Wind gepirscht. Der Bär habe in den Büschen geschlafen, vermutet er. Er habe damit wohl eine "magische" Grenze überschritten.

Zum Glück "nur" eine Bären-Attacke!

Wahrscheinlich habe er den Bären überrascht, meint der 63-Jährige. Normalerweise würden Bären Menschen immer ausweichen, sie seien scheu. Aber er habe offenbar jene Grenze überschritten, in der es keinen "Scheinangriff" oder eine Flucht des Tieres gibt. Dasselbe dürfte wohl auch dem verstorbenen Jogger in Italien passiert sein, vermutet Kieling.

Auf die Frage Hallaschkas, wann der Bär denn von ihm abgelassen habe, antwortet er: "Bären sind in dem Sinne nicht nachtragend oder kämpfen sehr lange." Wenn sich statt ihm ein anderer Bär in einer ähnlichen Situation vorgefunden hätte, laufe "genau dasselbe" Programm ab. "Kurzer Schlagaustausch, Bisse, gibt einer nicht nach, kann es auch mal drei Minuten dauern und dann trennt man sich".

Einer von beiden drücke dann über die Körpersprache eine Unterwerfung aus, der andere sei dann nicht nachtragend, verfolge ihn auch nicht. Das sei bei anderen Beutegreifern "viel drastischer". Ein Löwe "oder noch schlimmer wäre ein Leopard" - der lasse nicht mehr locker, sagt er.

Titelfoto: Michael Reichel/dpa/Montage

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