Ex-Bürgermeister schließt Comeback aus: "Man wird nicht besser über die Zeit"

Hamburg - Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (70, CDU) blickt ohne Wehmut auf seine politische Karriere zurück. In der "NDR Talk Show" am Freitagabend sprach der heutige Rechtsanwalt mit Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt (69) über sein neues Buch "Am Ende des Tages: Politische Floskeln von A bis Z" und darüber, warum er nie zurückkehren wollte.

Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (70, CDU) war am Freitag zu Gast in der "NDR Talk Show".
Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (70, CDU) war am Freitag zu Gast in der "NDR Talk Show".  © NDR/Uwe Ernst

Von 2001 bis 2010 stand der CDU-Politiker an der Spitze Hamburgs. Nach dem Scheitern der Schulreform trat er zurück.

Auch wenn es ihn manchmal "in den Fingern jucke", wenn er aktuelle politische Debatten verfolge, verspüre er keinen Wunsch nach einem Comeback: "Ich habe freiwillig aufgehört und möchte auch nicht zurück."

Neun Jahre als Erster Bürgermeister seien enorm fordernd gewesen, weniger wegen der Arbeitsbelastung als wegen der Dauerpräsenz. "Man steht ständig auf der Bühne", so von Beust.

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Acht bis zehn Reden am Tag, permanente Bewertung, jeder Versprecher werde registriert. Er habe sich irgendwann "durchgenudelt" gefühlt.

Weswegen er auch eine Begrenzung von Spitzenämtern auf zwei Legislaturperioden für sinnvoll halte: "Man wird nicht besser über die Zeit." In der zweiten Amtszeit könne man zudem unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen treffen, ohne auf Wiederwahl schielen zu müssen.

Ex-Bürgermeister über Donald Trump: "Alle wissen, dass er lügt!"

In seinem neuen Buch "Am Ende des Tages" geht Ole von Beust nach eigenen Angaben auch auf das "Phänomen Donald Trump" ein.
In seinem neuen Buch "Am Ende des Tages" geht Ole von Beust nach eigenen Angaben auch auf das "Phänomen Donald Trump" ein.  © Georg Wendt/dpa

Zentrales Thema des Abends war die politische Sprache. Warum reden Politiker oft in Floskeln wie "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit" oder "Wir sind auf einem guten Weg"?

Ole von Beust sieht zwei Gründe. Zum einen entwickle jede Berufsgruppe ihre eigene Fachsprache, zum anderen liege es am Wesen der Politik selbst: "Politik hat überwiegend das Wort, nicht die Tat."

Besonders interessant findet der Ex-Politiker das "Phänomen Donald Trump". Der US-Präsident verzichte weitgehend auf klassische Politfloskeln, sondern nutze eine "geradezu ordinäre, unglaublich deftige Sprache".

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Genau das verschaffe ihm Zustimmung bei jenen, die das "relativierende, weichgespülte" Sprechen vieler Politiker satthätten.

"Der haut auf den Putz und spricht - von mir aus - primitiv und hart, aber immerhin: Da sagt mal einer, was Sache ist", so von Beust. Dabei sei auch egal, dass allgemein bekannt sei, dass Trump lügt.

"Das ist ja gar kein Geheimnis", so der 70-Jährige. Und dennoch werde es ihm verziehen. Warum? "Weil die Leute davon ausgehen, dass Politiker ohnehin alle lügen, und dann mögen sie den lieber, dem man anmerkt, dass er lügt!"

Von Beust nannte das "bitter". Denn es zeige, wie tief das Misstrauen gegenüber Politik inzwischen sitzt und wie stark sich politische Wirkung über Stil und Sprachgefühl entscheidet.

Titelfoto: NDR/Uwe Ernst

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