"Ich habe eine klassische Ausbildung!": Ricky Harris möchte nicht nur als TV-Clown gesehen werden

Hamburg - Ricky Harris (64) war am Freitagabend zu Gast in der "NDR Talk Show", wo er seine ARD-Dokumentation "Überlebenslustig" aus der Reihe "Lebenslinien" vorstellte. Im Gespräch mit Bettina Tietjen (66) sprach der frühere Talkmaster ("Ricky!") so offen wie selten über sein bewegtes Leben. Über seine "bunte Karriere", schwere Krankheiten, seine Familie und eine Seite, die viele bis heute nicht von ihm kennen.

Bereits im Januar lief die Dokumentation "Ricky Harris – Überlebenslustig" aus der Reihe "Lebenslinien" im BR Fernsehen. Sie ist weiterhin in der ARD-Mediathek verfügbar.  © BR/Tellux Film GmbH/Simon Koy

Harris erzählte in der Talkshow auch über seine Kindheit in Detroit und die prägende Rolle seines Vaters.

Der Musiklehrer und klassische Opernsänger habe alles darangesetzt, seinen Kindern die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen und das in einer Zeit, die stark von Rassismus geprägt gewesen sei. "Er hat seinen letzten Cent hereingesteckt, dass wir eine Privatausbildung haben beziehungsweise auf eine Privatschule gehen […]", so Harris.

Diese Schulen seien damals vor allem weißen Kindern vorbehalten gewesen. "Meine ganze Welt war weiß, ich hatte keine schwarzen Freunde", so der Ex-Moderator. Einfach deshalb, weil es an seiner Schule schlicht keine anderen schwarzen Kinder gegeben habe.

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"Mein Vater hat richtig gekämpft, dass seine Kinder nicht nur eine gute Ausbildung, sondern eine klassische Ausbildung haben", so Harris weiter.

Das sei eine Seite von ihm, die viele bis heute nicht kennen würden. "Sie sehen mich als was weiß ich, als Clown oder Moderator damals in einer Talkshow oder als ein Mitglied im Dschungelcamp [2016 belegte er den 8. Platz, Anm. d. Red.], aber eigentlich habe ich eine klassische Ausbildung." Sein musikalischer Weg wurde damals sogar durch ein Stipendium unterstützt, das er vier Jahre lang für Musik und Sport erhielt.

1999 kam Harris nach Deutschland und startete hier seine TV-Karriere. Doch bis heute ist Musik neben seiner Familie "das Allerwichtigste" für ihn. "Ich weiß nicht, was ich machen würde ohne Musik." Diese Leidenschaft hat er auch an die nächste Generation weitergegeben. Vielen dürfte vor allem sein Sohn Malik Harris (28) bekannt sein, der Deutschland 2022 beim Eurovision Song Contest vertrat.

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Ricky Harris: Seine Schwester rettete ihm das Leben

Ricky Harris (64) war am Freitag zu Gast in der "NDR Talk Show".  © NDR/Uwe Ernst

Der Doku-Titel "Überlebenslustig" passe zu ihm, weil er in seinem Leben "nicht nur positive, tolle Sachen, aber auch sehr viele negative Sachen" erlebt habe. Dazu zählen auch die unterschiedlichsten Jobs.

Nachdem seine Talkshow abgesetzt wurde, arbeitete Harris unter anderem als Taxifahrer. "Ich muss ehrlich sagen, das war so eine schöne Zeit, weil ich hab eine Aufgabe gehabt", so der 64-Jährige. Er habe Menschen nach dem Feiern sicher nach Hause gebracht und sei "so stolz" auf sich gewesen.

Immer das Beste aus allem herauszuholen, habe er von seinem Großvater, so Harris: "Der hat immer gesagt, das Glas ist halb voll und danach habe ich versucht, zu leben, egal was passiert!"

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Beim Ansehen der fertigen Dokumentation sei ihm selbst bewusst geworden, wie tief sie in sein Leben eintauche. Besonders dankbar sei er seiner Familie, die ihn dabei und auch darüber hinaus immer unterstützt habe.

Seine Schwester wurde 2007 sogar zu seiner Lebensretterin: Wegen einer schweren Nierenerkrankung hatte sich Harris bereits auf eine jahrelange Dialyse eingestellt. Doch: "Am nächsten Tag war meine Schwester da und sie hat mir ihre Niere gespendet", erzählte Harris unter Tränen. Rückblickend sagte der 64-Jährige: "Ich bin sehr, sehr, sehr dankbar, dass ich heute hier sein kann."

Heute lebt der gebürtige US-Amerikaner abseits des großen Medienrummels. Statt im Fernsehen ist Harris inzwischen als Betreuer und Schulbegleiter an einer Ganztagsschule im Einsatz.

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