Alles Gute zum Fünfzigsten! Heute feiert der "Polizeiruf 110" Jubiläum!

Von Gregor Tholl

Berlin - Die ARD feierte ihr Erfolgsformat zwar schon Ende Mai mit einem Jubiläumskrimi aus Halle an der Saale und einer Doku ab, aber das eigentliche Datum ist erst jetzt: Heute vor 50 Jahren lief der erste "Polizeiruf 110" im Fernsehen der DDR, sieben Monate nachdem in der Bundesrepublik das Krimiformat "Tatort" gestartet war.

Szene aus dem "Polizeiruf 110"-Film "Im Alter von ..." von 1974 mit Peter Borgelt als Oberleutnant Peter Fuchs (l.), Sigrid Göhler-Reusse als Leutnant Vera Arndt und Jürgen Frohriep als Oberleutnant Jürgen Hübner.
Szene aus dem "Polizeiruf 110"-Film "Im Alter von ..." von 1974 mit Peter Borgelt als Oberleutnant Peter Fuchs (l.), Sigrid Göhler-Reusse als Leutnant Vera Arndt und Jürgen Frohriep als Oberleutnant Jürgen Hübner.  © MDR / DRA

Der "Polizeiruf 110" gehört zu den wenigen Formaten, die nach 1990 den Sprung vom DDR-Fernsehen ins vereinte Deutschland schafften - auf den prominenten Sonntagssendeplatz des Ersten. 393 Filme der Reihe liefen bisher.

Der erste "Polizeiruf" vor 50 Jahren hieß "Der Fall Lisa Murnau". Darin ging es um den Raub von 70 000 Mark aus einem Postamt, bei dem die Schalterbeamtin lebensgefährlich verletzt wird.

Mord und Totschlag waren in den 1970ern und 80ern eher die Ausnahme.

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Sadistische Mörder waren die Täter der DDR-Krimis keine - politisch motivierte Straftäter schon gar nicht. Stattdessen standen Trinker, Diebe, Gestrauchelte in den Drehbüchern.

Die Ermittler zu DDR-Zeiten waren keine Charaktere mit kompliziertem Privatleben oder psychischen Problemen. Das gab es im sozialistischen Kriminalisten-Kollektiv nicht. Die Büroarbeit, das kriminaltechnische Können und die Warnung vor dem Bösen standen im Mittelpunkt.

Frauenfiguren trugen ihren Teil zum Gelingen des "Polizeiruf 110" bei

Eine andere "Polizeiruf"-Legende: Andreas Schmidt-Schaller 1995 in "Grawes letzter Fall".
Eine andere "Polizeiruf"-Legende: Andreas Schmidt-Schaller 1995 in "Grawes letzter Fall".  © ARD / MDR

Unvergessen sind Schauspieler wie Peter Borgelt als Oberleutnant (später Hauptmann) Fuchs, Jürgen Frohriep als sein Kollege Hübner, Alfred Rücker als Leutnant Subras und Lutz Riemann als Oberleutnant Zimmermann.

Anders als beim "Tatort", bei dem es gut sieben Jahre bis zur ersten Frau Kommissarin dauerte, war beim DDR-Krimi von Anfang an eine Ermittlerin im Einsatz: Sigrid Göhler als Leutnant Vera Arndt.

Auch später faszinierten die Frauenfiguren, darunter Angelica Domröse als Hauptkommissarin Vera Bilewski, Katrin Sass als Kommissarin Tanja Voigt, Jutta Hoffmann als Wanda Rosenbaum, Gaby Dohm als Silvia Jansen oder Imogen Kogge als Johanna Herz.

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Michaela May als Jo Obermaier und Edgar Selge als Jürgen Tauber in München sind vielen noch gut im Gedächtnis, ebenso wie Uwe Steimle als besserwisserischer Kommissar Jens Hinrichs oder Henry Hübchen als Tobias Törner in Schwerin.

Zum 50-jährigen Polizeiruf-Jubiläum kehrte der MDR nach Halle zurück

Legendär waren Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, die von 1996 bis 2013 in 50 Krimis als Schmücke und Schneider in Halle (Saale) und Umgebung Verbrecher jagten.

Zum 50-jährigen Jubiläum kehrte der MDR nach Halle zurück - mit dem neuen Team Koitzsch und Lehmann, gespielt von Peter Kurth und Peter Schneider.

Herausragende Fälle zu DDR-Zeiten waren zum Beispiel der Film "Schuldig", der 1978 ungewöhnlich offen Missstände im sozialen Gefüge aufzeigte. 1988 sorgte "Der Kreuzworträtselfall" unter anderem mit Günter Naumann als Hauptmann Günter Beck und Andreas Schmidt-Schaller als Leutnant Thomas Grawe für Aufsehen. Der Film über das Verbrechen an einem Jungen beruhte auf einem echten Kriminalfall.

Eine Kooperation von "Polizeiruf 110" und "Tatort" gab es im Einheitsjahr 1990: Im deutsch-deutschen Krimi "Unter Brüdern" trafen die Kommissare Fuchs und Grawe (Borgelt und Schmidt-Schaller) auf Schimanski und Thanner im Westen (Götz George und Eberhard Feik).

Eine Folge über einen minderjährigen Kindermörder wurde von den DDR-Machthabern kurz vor der Ausstrahlung 1975 verboten. Erst tauchten die Filmrollen im Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg wieder auf. Rekonstruiert mit Synchronsprechern wurde der Film "Im Alter von ..." schließlich 2011 ausgestrahlt.

Titelfoto: ARD / MDR

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