Schuld, Geld, falsches Geständnis: Zwei Polizeiruf-Fälle werden zur großen Frage nach Gerechtigkeit

München - Eine tote junge Frau im Isarkanal bringt Kriminalhauptkommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek, 51) und ihren Kollegen Dennis Eden (Stephan Zinner, 51) ins Grübeln.

Was hat Léon Kamara (Yoli Fuller, r.) vor Dennis Eden (Stephan Zinner, 51, l.) und Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) zu verheimlichen?  © BR/die film gmbh/Susanne Bernhard

Denn eigentlich schien der Fall längst gelöst: Der Asylbewerber Léon Kamara (Yoli Fuller) hatte sich vor zwei Jahren selbst gestellt und gestanden, Sonja Berling getötet und zerstückelt zu haben.

Doch nun zeigt der Fund der Leiche etwas anderes. Warum sollte jemand freiwillig ein Geständnis ablegen und dabei lügen?

"Polizeiruf 110: Ablass" läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Polizeiruf 110 Emotionaler Krimi: Brasch muss Amok-Teenie stoppen

Während Blohm und Eden versuchen, die Wahrheit hinter dem rätselhaften Geständnis aufzudecken, landen sie in einem zweiten Fall: Ein Radfahrer wird bei einer Fahrerflucht getötet.

Der arbeitslose Familienvater Victor Reisinger (Shenja Lacher, 47) gesteht die Tat schnell. Doch auch hier stimmen Details nicht.

Die Ermittlungen führen zu dem renommierten Anwalt August Schellenberg (Tobias Moretti, 66). Schritt für Schritt entsteht der Verdacht, dass beide Fälle zusammenhängen und dass hinter den Geständnissen möglicherweise ein perfides System steckt.

Anzeige

"Polizeiruf 110": Lohnt sich das Einschalten?

Lässt sich Rechtsanwalt August Schellenberg (Tobias Moretti, 66) aus der Reserve locken?  © BR/die film gmbh/Susanne Bernhard

Durchaus. "Ablass" ist kein klassischer Action-Krimi, sondern eher ein gedankliches Puzzle. Die Folge lebt von moralischen Fragen und davon, dass sich die Geschichte immer wieder in eine neue Richtung dreht.

Johanna Wokalek beschreibt genau das als besondere Stärke: "Man glaubt ständig: Jetzt hab ich’s und dann schlägt die Geschichte noch einmal einen Haken." Diese Wendungen halten die Spannung über die gesamte Laufzeit.

Besonders stark ist Tobias Moretti als Anwalt Schellenberg. Er spielt den aalglatten Strippenzieher mit einer unangenehmen Eleganz, die sofort misstrauisch macht.

Polizeiruf 110 Schluss nach nur drei Fällen: TV-Ermittler in Lebensgefahr

Seine Wortgefechte mit Wokalek gehören zu den besten Szenen des Films – vor allem, wenn beide über den Sinn von Strafe, Resozialisierung und Gerechtigkeit diskutieren.

Auch das Ermittlerduo funktioniert gut. Wokalek gibt Blohm nachdenklich und hartnäckig, während Zinner als Eden mit trockenem Humor erdet. Zinner selbst nennt das Drehbuch "ein krasses Buch, spannend, berührend und ohne zu moralisieren". Ganz so düster ist die Folge zwar nicht, aber sie schafft es tatsächlich, den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen.

Am Ende bleibt vor allem eine Frage hängen: Was ist eigentlich Gerechtigkeit? Genau diese moralische Grauzone macht "Ablass" sehenswert. Kein spektakulärer Polizeiruf, aber ein solider Krimi mit genug Spannung und einem offenen Ende, das durchaus Lust auf eine Fortsetzung macht.

Mehr zum Thema Polizeiruf 110: