Gisela (†71) von Streufahrzeug überfahren: Täter lässt Beweise verschwinden
Erlabrunn - Gisela Kempf aus dem nordbayrischen Erlabrunn bringt den gelben Sack raus, wird dabei von einem Streufahrzeug überrollt und getötet. Der Täter begeht Fahrerflucht und löscht Beweise. Sein Verhalten vor Gericht ist ein Martyrium für die Hinterbliebenen der 71-Jährigen.
5. Januar 2016. Gisela und ihr Mann Erich Kempf sitzen an diesem Dienstagmorgen gegen 7 Uhr am Frühstückstisch, wie in der Kabel-Eins-Sendung "Mord im Dorf" erzählt wird. Da fällt der Rentnerin ein, dass heute die gelben Säcke abgeholt werden. Sie schnappt sich den Müll und stellt ihn vors Haus im Landkreis Würzburg.
Doch sie kehrt nicht zurück. Ein Fußgänger findet die 71-Jährige wenig später auf dem Bürgersteig liegend - sie ist tot.
Die Polizei glaubt, Gisela sei auf dem glatten Untergrund ausgerutscht und mit dem Kopf aufgeschlagen. Am Tag der Beisetzung dann die Wende: Die Leiche wird rechtsmedizinisch von Würzburger Uni-Professor Michael Bohnert untersucht, der Ungereimtheiten feststellt. Denn das Verletzungsbild passt nicht zu einem einfachen Sturzgeschehen. Die Seniorin wurde überrollt!
"Der Körper wurde unter einem Reifen mit Stollenprofil fixiert und der Kopf zusammengedrückt", konnte Bohnert rekonstruieren. Es habe aber kein vollständiges Überfahren, sondern nur ein Auffahren auf den Körper, ein darauf Stehenbleiben und wieder herunterfahren stattgefunden.
Nur ein einziger Traktor kommt als Tatfahrzeug infrage: Das Streufahrzeug des Bauhofs der Gemeinde Erlabrunn. Und dieses wurde von einem angesehenen Dorfbewohner gesteuert.
Mord im Dorf (Kabel Eins): "Da muss man nix studieren, um zu begreifen: Da sollen wir verarscht werden"
Es ist Günther K. (damals 57), Leiter des Bauhofs, Gemeinderat und Feuerwehrkommandant. Er ist hoch angesehen, weshalb sich viele nicht vorstellen können, dass er für Frau Kempfs Tod verantwortlich sein soll. Doch er verstrickt sich in Widersprüche und die Geschichte spaltet das Dorf.
K. gibt in Auftrag, einen Teil der Streuvorrichtung an dem Gemeinde-Traktor neu zu lackieren. Um Spuren des Unfalls zu vernichten? Außerdem löscht er Handydaten, wahrscheinlich um etwas zu vertuschen. "Da muss man nix studieren, um zu begreifen: Da sollen wir verarscht werden", sagt Opfer-Anwalt Dr. Peter Auffermann.
Der Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht angeklagt und zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Doch er geht in Berufung, will vermutlich einen Freispruch erreichen.
"Da drehte sich der Täter plötzlich zu uns um, es tut ihm leid, er hat unsere Mutter überfahren, wir mögen ihm verzeihen", erinnert sich Marco Kempf, der jeden Verhandlungstag um die Klärung des Todes seiner Mutter mitverfolgt hat.
Am nächsten Verhandlungstag nimmt er sein Geständnis aber wieder zurück. Ein Martyrium für Giselas Familie.
Täter nimmt Berufung zurück und kommt nach wenigen Monaten frei
Dann aber wird die Berufung zurückgezogen. Günther K. muss für ein Jahr und zehn Jahre ins Gefängnis.
Doch schon nach fünf Monaten kommt er laut Marco Kempf auf freien Fuß, soll wieder durch Erlabrunn stolziert sein. "Er ist bis heute nicht einsichtig und bereut nichts, ist arrogant und beschuldigt uns."
Kleine Genugtuung für die Kempfs: Die Gemeinde kündigt dem schuldigen Bauhof-Leiter fristlos.
2023 stirbt auch Giselas Mann Erich im Alter von 83 Jahren.
Kabel Eins zeigt "Mord im Dorf" immer freitags ab 20.15 Uhr. Bei Joyn stehen die Folgen als Stream bereit.
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