Bülent Ceylan nimmt sich Trump & Co. vor: "Möchte nicht, dass meine Kinder sagen, Papa, warum hast du nie den Mund aufgemacht?"
Leipzig - Er gehört seit Jahren zu Deutschlands oberster Comedy-Riege, doch mit politischen Statements ist Spaßvogel und Vollblut-Rocker Bülent Ceylan (50) eher weniger aufgefallen. In seinem Programm "Diktatürk" soll sich genau dies jedoch ändern - und das hat einen triftigen Grund, wie er nun zu Gast im "Riverboat" verriet.
"Ich möchte nicht, dass meine Kinder irgendwann sagen: 'Papa, warum hast du nie den Mund auf gemacht? Du standest doch auch in der Öffentlichkeit'", erklärte Bülent Ceylan im Gespräch mit Moderator Matze Knop (51). "Ich bin ja Comedian mehr, aber in dem neuen Programm ist es tatsächlich so, dass ich gesagt hab, ich muss mich über die ganzen Arschlöcher auf dieser Welt auch mal lustig machen."
Sowohl Israels Präsident Benjamin Netanjahu (76) als auch US-Präsident Donald Trump (79) nannte der Comedian dabei in der Talkrunde. "Donald Trump, da hab ich schon Angst wegen seiner Frisur."
"Der geht ja nicht zum Friseur, der geht zum Steinmetz", fügte Moderator Knop da an und sorgte gleich noch für einen Lacher.
Vor allem die Spanier hätten es ihm dabei angetan. "Ich finde ja, die Spanier haben Eier. Die sagen, man kann den Krieg kritisieren, man kann aber auch das Regime vom Iran kritisieren." Spanien hatte den USA die Nutzung von Militärbasen für den Iran-Krieg untersagt. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte das iranische Regime, kritisierte aber auch die Angriffe auf das Land und zog dadurch den Unmut Trumps auf sich.
Gäste pflichten Bülent Ceylan bei: "Haben jetzt das betreute Sprechen"
Ceylan beklagte gleichzeitig, dass viele nicht mehr den Mund aufmachen würden aus Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden. "Ich finde, das ist nicht schön, denn dafür sind wir doch eigentlich da, dass wir reden. Ich bin so auch erzogen worden. Jeder kann eine andere Meinung haben, aber man kann sich doch trotzdem mit Respekt begegnen."
Dem stimmte auch Kabarettist Florian Schröder (46) zu und ergänzte: "Das Problem ist ja nicht, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist. Das Problem ist, dass wir eine unfassbare Enge haben im Diskurs. Das heißt, dass jeder, der eine Position hat, in eine Ecke gestellt wird - egal, in welche."
Menschen seien jedoch vielschichtig, so Schröder. "Diese permanente Zuspitzung und Einengung von Personen, das finde ich so unmenschlich. Wir sind vielschichtige Menschen und ich finde, dem sollte man Rechnung tragen."
Und auch Linken-Urgestein Gregor Gysi (78), der ebenfalls in der Sendung saß, fand dabei klare Worte: "Didi Hallerforden sagt, wir haben jetzt das betreute Sprechen. Und da ist was dran und das möchte ich auch wieder loswerden."
Mehr Geschichten von Bülent Ceylan, Florian Schröder, Gregor Gysi sowie weiteren Stars gibt es in der aktuellen "Riverboat"-Ausgabe, die ab sofort als Video-on-Demand in der ARD-Mediathek angeschaut werden kann.
Titelfoto: Montage: IMAGO / STAR-MEDIA + Kay Nietfeld/dpa

