Autorin Hera Lind im Riverboat: "Ich hatte selbst Tränen in den Augen"

Leipzig - Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen: Hera Lind (62) war in der letzten Folge der MDR-Talkshow zu Gast. Die Schriftstellerin hat es sich in der jüngsten Zeit zur Aufgabe gemacht, Schicksale von Menschen aus der ehemaligen DDR aufzuschreiben. Und die Bücher kommen so gut an, dass Lind noch weitere plant.

Hera Lind (62) veröffentlicht die dramatischen Lebensgeschichten anderer Menschen.
Hera Lind (62) veröffentlicht die dramatischen Lebensgeschichten anderer Menschen.  © Screenshot/MDR-Riverboat

"Ihr aktueller Bestseller ('Die Hölle war der Preis') ist ein Tatsachen-Roman, eingesandt von einer Frau, die aus der ehemaligen DDR geflüchtet ist", so Moderatorin Kim Fisher (51). 

Hera Lind ist von der Geschichte sichtlich gerührt. "Ich möchte mich sehr bei ihr bedanken, für das Vertrauen, dass sie mir ihre Geschichte anvertraut hat. Sie will nicht in der Öffentlichkeit auftauchen, weil sie auch nicht mehr weiter über die Geschichte sprechen will und sich auch nicht mehr rechtfertigen will. Aber sie bat mich, ihre Gesichte zu veröffentlichen. Das Buch ist sofort auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste gelandet, in der Erscheinungswoche", so die Autorin.

Als sie selbst die fertige Geschichte gelesen hat, vergoss sie Tränen.

"Ich hatte selbst Tränen in den Augen, als ich das Manuskript gelesen habe. Ich schicke ihr alle Leserpost, beantworte die aber in ihrem Sinne selbst. Sie ist eine Frau, die eine Tänzerin an der Deutschen Staatsoper in der DDR war und flüchten wollte. Diese Flucht ging aber schief und sie wurde dreieinhalb Jahre in Hoheneck inhaftiert. Sie wird auch heute noch angegriffen, es gibt noch Menschen, die sie nach wie vor angreifen und sagen, sie wäre zurecht verurteilt worden."

"Selbst beim Schreiben hält man es kaum aus."

Die Burg Hoheneck diente zu DDR-Zeiten als berüchtigtes Frauengefängnis.
Die Burg Hoheneck diente zu DDR-Zeiten als berüchtigtes Frauengefängnis.  © © Klaus Jedlicka

Hera Lind selbst stammt aus Nordrhein-Westfalen, wurde in Bielefeld geboren, hatte selbst also wenig Berührungspunkte mit dem Leben in der DDR. 

"Wie ist denn die Kritik Ihnen gegenüber?", wollte demnach Kim Fisher von ihr wissen. "Sie sind ja nicht im Osten geboren. Hat man Ihnen das abnehmen können?" 

"Die Hölle war der Preis" ist nicht Linds erster Tatsachenroman, der auf einer DDR-Geschichte beruht. "Es ist mein dritter und es werden noch zwei weitere folgen. Es kommen ständig solche Geschichten aus der ehemaligen DDR und 99 Prozent sind begeistert, dass die endlich mal jemand aufschreibt und, dass die nicht in Vergessenheit geraten. Und viele sagen auch: 'Das wussten wir alles nicht, was sich Schlimmes in Gefängnissen abspielte'", berichtet die Schriftstellerin. 

Sie selbst machte sich auf den Weg, um sich ein Bild vom Gefängnis zu machen. "Mein Mann und ich, wir haben uns dieses Gefängnis angesehen, wir sind nach Hoheneck gefahren und haben uns dieses Gefängnis zeigen lassen. Es ist so unvorstellbar grauenvoll, aber ich habe es aufgeschrieben. Selbst beim Schreiben hält man es kaum aus. Ich musste immer wieder raus ins Grüne und Luft holen."

Um die vier Manuskripte für solche Romane bekommt Hera Lind übrigens täglich. "Und ich lese sie alle. Ich habe sie auf meinem Laptop, auf meinem Handy und Tablet und zuhause in Schubladen lauter Päckchen. Ich lese sie alle und beantworte alle. Auch Absagen formuliere ich wertschätzend, denn es sind menschliche Schicksale, die mir anvertraut wurden. Das ist die Energie der Dankbarkeit, dass man mir das zutraut, dass ich daraus einen Bestseller mache", sagt sie.

"Da habe ich in den letzten zehn Jahren zwanzig Tatsachen-Romane geschrieben. Es ist ja jetzt nicht nur das aktuelle Buch. Nein, das nächste ist schon fast fertig. Ich denke, die Menschen wollen Geschichten lesen, die wirklich passiert sind. Diese Heldinnen und Helden leben ja unter uns und ich bin der Transporteur dieser Geschichten."

Titelfoto: Screenshot/MDR-Riverboat

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