Wo ist Hugo? Mehr Drama als Krimi im Stuttgart-"Tatort"
Stuttgart - Ein schwarzer SUV wird aus dem Neckar gezogen, die kleine Penelope im Kindersitz ist tot. Ihr älterer Bruder Hugo verschwunden. Der neue "Tatort" aus Stuttgart beginnt mit einem Horror-Szenario, das selbst die routinierten Ermittler schockt.
"Leider können wir uns unsere Toten nicht aussuchen", muss sich Thorsten Lannert (Richy Müller, 70) im "Tatort: Ex-It", den das Erste am morgigen Sonntag um 20.15 Uhr zeigt, zerknirscht eingestehen.
Für ihn und Partner Sebastian Bootz (Felix Klare, 47) bleibt lediglich die Hoffnung, wenigstens Hugo lebend zu finden - und zu klären, wie es überhaupt zu der schrecklichen Tragödie kommen konnte.
Nicht ganz unschuldig scheint die Mutter: Pony Hübner (Kim Riedle, 43) war nachts mit den Kindern unterwegs, ließ sie im Auto sitzen, um Zigaretten zu kaufen. Als sie wiederkommt, ist das Fahrzeug verschwunden.
War es eine Entführung? Schließlich war Pony einst ein gefeiertes It-Girl, ihr Mann Stephan (Hans Löw, 50) verdient mit Influencern immer noch kräftig Geld. Als die ersten Erpresser-Briefe auftauchen, scheint die Sache klar.
Lohnt sich das Einschalten?
Leider nur bedingt. Denn in dem Krimi wird noch jemand anderes vermisst: die berühmte Version von Pony. Die junge Mutter hat den Übergang ins Influencer-Zeitalter nicht gepackt, kämpft mit dem Verlust ihrer Berühmtheit, Depressionen, der Jagd nach Aufmerksamkeit.
"Wenn ich mich nicht mehr in den Magazinen finde, bin ich nur noch ein Geist", erklärt sie mit brüchiger Stimme. Drehbuchautor Wolfgang Stauch (57) zeichnet anhand ihrer Figur das Porträt einer Generation, die sich im digitalen Spiegel sucht - und irgendwann keine Konturen mehr hat.
Und auch die Ehe von Pony und Stefan ist längst kein Feuerwerk mehr. Er hat sich sogar mit dem Thema Scheidung beschäftigt. Der "Tatort" ist somit eher Beziehungsdrama und Gesellschaftsstudie statt ein Krimi.
Die Suche nach dem kleinen Hugo gerät permanent in den Hintergrund. Wenn die Kommissare sich dann nebenberuflich noch als Eheberater versuchen und minutenlang Therapiesitzungen halten, ist man fast geneigt, den Fernseher auszuschalten.
Titelfoto: Bildmontage: SWR/Benoît Linder (2)

