So persönlich wie nie: "Tatort"-Kommissarin in tödlichen Familienstreit verwickelt
Saarbrücken - Ein Dorf, zwei verfeindete Familien: Im Gegensatz zu Shakespeares "Romeo und Julia" endet der "Tatort: Das Böse in Dir" nicht tödlich, sondern er beginnt so. Für eine Kommissarin wird der Fall auch noch persönlich. Zu sehen gibt es ihn am Sonntag, um 20.15 Uhr, im Ersten.
Adam Schürk (Daniel Sträßer, 38) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov, 38) werden wegen des Mordes an Emil Feidt (Marcus Hartmann) nach Hohenweiler gerufen. Als dieser Name im Büro fällt, erklärt sich Esther Baumann (Brigitte Urhausen, 45) bereit, zu ermitteln. Der Grund: Die Kriminalhauptkommissarin stammt aus dem Ort.
Baumann erklärt ihren Kollegen, dass die Familien Feidt und Louis seit Generationen im Clinch liegen. Der Nachfrage, welchem Clan sie denn angehöre, weicht die Ermittlerin aus.
Von den Streitigkeiten ganz unbeeindruckt befragen die Kommissare zunächst die Familie des Opfers. Die Angehörigen bezichtigen sofort die Louis' des Mordes. Ihre Trauer mutiert zu Wut – nicht zuletzt weil auch der Tod von Emils Tochter Becky, die vor fünf Jahren starb, immer noch nicht vollends aufgeklärt ist.
Offiziell kam sie bei einem Unfall um, doch Claire Louis (Carolin Wege) wird im Ort dennoch für ihre Mörderin gehalten. Sie war eine enge Freundin von Becky und hat ihren Tod bis heute nicht verkraftet.
Die Geschichte der beiden geht vor allem Baumann besonders nahe. Sie wird noch mehr in den Fall verwickelt, als ein Mitglied ihrer Familie unter Mordverdacht gerät.
Trotz Befangenheit sucht die Kommissarin weiter nach der Wahrheit, was zur tödlichen Eskalation in Hohenweiler führt.
Lohnt sich das Einschalten beim Saarbrücken-"Tatort"?
Durchaus. Esther Baumann ist als die Erzählerin die tragende Figur in diesem "Tatort". So persönlich und verletzlich hat sich die Ermittlerin noch nie gezeigt.
Für Brigitte Urhausen waren deshalb die Vorbereitungen auf den Dreh "viel intensiver, nicht nur, weil die Rolle deutlich mehr Präsenz hat und es dementsprechend mehr Drehtage waren, sondern vor allem, weil ich mir den privaten und emotionalen Background von Esther konkreter erarbeiten musste und durfte", erklärt die Schauspielerin im TAG24-Interview.
"Sie hat seit 30 Jahren 'erfolgreich' ihre Kindheit und Jugend verdrängt, ohne groß etwas aufzuarbeiten. Wenn einen das dann plötzlich und unvorbereitet einholt, macht das etwas mit einem."
Denn für ihre Figur ist es alles andere als leicht, in ihre Heimat zurückzukehren. "Erst sträubt sich alles in ihr, aber pflichtbewusst, wie sie ist, geht sie mit und stellt sich somit dem, was dort gegebenenfalls in ihr aufreißen könnte."
Natürlich müsse der Fall aufgeklärt werden, "was ihre Präsenz in der Heimat erfordert, aber einmal vor Ort spürt sie auch wider Willen, dass ein zweites Mal Weglaufen keine Option ist", so Urhausen.
Die Vergangenheitsbewältigung hat Baumann definitiv verändert: "Ihre harte Schale ist auf jeden Fall jetzt aufgeweicht. Es ist sehr befreiend, nichts mehr verstecken zu müssen. Das wirkt sich auch auf den Umgang mit den Kollegen aus, auch wenn sie erst mal kein komplett verwandelter, durchlässiger Mensch sein wird."
Das lässt genug Handlungsspielraum für zukünftige Fälle: "Ich bin selber gespannt, wie sich das in den nächsten Folgen auswirken wird, zum Beispiel auch in Bezug auf Adam: Die beiden sind sich letztendlich sehr ähnlich und gerade das hat bisher auch immer zu Spannungen geführt."
Titelfoto: SR/Manuela Meyer

