Verantwortungsscheu? Fehlende Risikobereitschaft? Warum so wenige Ostdeutsche Führungsrollen haben

Leipzig - Das Streben nach Erfolg, Macht und Geld prägt viele Menschen, auch in Deutschland. Doch wieso sind so wenig Ostdeutsche in Spitzenpositionen und wer hat es geschafft? Diesen Fragen stellt sich das MDR-Magazin "Umschau" in der aktuellen Folge.

Der Weg von Ostdeutschen zu den Spitzenpositionen wird in der neusten Folge der MDR "Umschau" näher beleuchtet. (Symbolbild)
Der Weg von Ostdeutschen zu den Spitzenpositionen wird in der neusten Folge der MDR "Umschau" näher beleuchtet. (Symbolbild)  © 123RF/loft39studio

Lediglich 3,5 Prozent der Ostdeutschen sind in Spitzenpositionen. Sogar im Osten selbst stammt nur ein Viertel der Eliten aus den eigenen Reihen.

Die aktuelle "MDR-Umschau"-Folge mit dem Namen "Der lange Weg nach oben – Wie es Ostdeutsche in die Elite schaffen" nimmt sich die deutsche Elite zum Thema.

Doch was bedeutet "Elite" überhaupt?

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Elite ist eine Gruppe von überdurchschnittlich qualifizierten Personen, die unter anderem leitende Positionen besetzen.

Elite sind also die Menschen, die es in ihren jeweiligen Bereichen ganz nach oben geschafft haben. "Da gehöre ich ganz zweifelsohne mit dazu", sagt Soziologe und Leibniz-Preisträger Steffen Mau.

Er beschäftigt sich unter anderem mit der ostdeutschen Transformation.

Laut ihm liegt ein Grund dafür, dass so wenig Ostdeutsche in Führungspositionen zu finden sind, weiter zurück: "Im Zuge der Wiedervereinigung haben die Ostdeutschen eben die unteren Positionen eingenommen."

Der gebürtige Leipziger Robert Schneider (47) ist Co-Chefredakteur der "Bild".
Der gebürtige Leipziger Robert Schneider (47) ist Co-Chefredakteur der "Bild".  © MDR/Lutz Hofmann

Ostdeutsche an der Führungsspitze: Sie haben es geschafft

Steffi Lemke (55, Bündnis 90/Die Grünen) trieb der Wunsch zur Veränderung an.
Steffi Lemke (55, Bündnis 90/Die Grünen) trieb der Wunsch zur Veränderung an.  © dpa/Guido Kirchner

Dass es nicht den einen richtigen Weg an die Spitze gibt, ist klar.

Für Kai-Uwe Sattler, dem Präsident der TU Ilmenau, waren es zum Beispiel Fleiß und Durchhaltevermögen, die ihn mit der Zeit zum Erfolg geführt haben.

Dazu kommt bei ihm wohl auch ein wenig Glück: "Bei mir hat sich vieles im Leben einfach ergeben", erzählt er.

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Für Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Steffi Lemke (55, Bündnis 90/Die Grünen) war es der Wunsch nach Veränderung, welcher sie antrieb.

Ihr Ziel sei dabei nie die Karriere gewesen und auch ihre jetzige Stellung ging Lemke vor allem aus einem Grund ein: "Jetzt habe ich die Hoffnung, als Bundesumweltministerin etwas wirklich bewegen zu können", erklärt sie in der MDR "Umschau".

Machtkampf, psychischer Druck und Rückschläge: Damit muss man umgehen können

Schneider war zuvor Chefredakteur des "Focus".
Schneider war zuvor Chefredakteur des "Focus".  © MDR/Lutz Hofmann

Aus welchen Gründen sind nun aber so wenig Ostdeutsche in Spitzenpositionen zu finden?

Laut Steffen Mau könnte ein nur gering ausgeprägtes Streben nach beruflichen Erfolg und der Zugehörigkeit zur Elite ein Grund sein. Darüber hinaus komme laut ihm eine gewisse Verantwortungsscheu dazu.

Für Robert Schneider (47), Co-Chefredakteur der "Bild", ist ein großer Erfolgsfaktor die Risikobereitschaft. Auch diese liegt nicht jedem.

Letztendlich gehe es auch um Körpersprache: "Wenn du nicht die Brust rausstreckst [...] dann bist du nicht auf dem Platz und gewinnen tut der, der auf dem Platz steht und sich zeigt und wer sich nicht zeigt, wird nicht gesehen", so Schneider.

Zu guter Letzt darf laut Umweltschützer Ernst Paul Dörfler ein wichtiger Faktor nicht vergessen werden. Die Gesundheit. Denn mit Machtpositionen sollen oft auch tägliche Machtkämpfe und großer psychischer Druck einhergehen.

Den ganzen "Umschau"-Beitrag vom Dienstag könnt Ihr in der Mediathek sehen.

Titelfoto: Bildmontage: 123RF/loft39studio, MDR/Lutz Hofmann

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