Zurück nach 18 Jahren: Plötzlich steht Seal mitten im Publikum

Hamburg - "2008 waren wir zuletzt in Hamburg? Nein? Ehrlich?" Doch ja, tatsächlich: 18 Jahre ist es her, dass Seal (63) zuletzt mit einer eigenen Tour in der Hansestadt gastierte. Am Freitagabend kehrte der britische Sänger im Rahmen seiner "Celebrating 30+ Years of the Classic Albums I & II"-Tour auf die Bühne des Stadtpark Open Air zurück und begeisterte dabei nicht nur mit seiner unverwechselbaren Soulstimme, sondern überraschte auch immer wieder mit erstaunlich gutem Deutsch.

Die Distanz zwischen Bühne und Publikum hielt Seal (63) von Beginn an klein: Schon beim Opener stand er im Bühnengraben, später sang er sogar mitten in der Menge.  © Peter Detje

Ganz überraschend sind die Sprachkenntnisse zwar nicht, schließlich war Seal mehr als sieben Jahre mit Heidi Klum (53) verheiratet.

Seinen Durchbruch verdankt er allerdings nicht seiner späteren Prominenz als Ehemann eines Supermodels, sondern dem Club-Klassiker "Killer", den er 1990 gemeinsam mit DJ Adamski veröffentlichte.

Und genau dieser Song wurde in Hamburg zu einem der Höhepunkte des Abends. Mit bemerkenswerter Gelassenheit verließ Seal plötzlich die Bühne, spazierte mitten durch das Publikum und sang – unter den nervösen Augen der Sicherheitskräfte – umringt von Smartphones, ausgestreckten Händen und begeisterten Fans erst "Killer" und anschließend auch noch "Bring It On".

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Der Ausflug ins Publikum markierte nach gut einer Stunde den Moment, in dem das Konzert endgültig Fahrt aufnahm. Bis dahin hatte sich das Publikum eher zurückhaltend gezeigt.

Zwar forderte Seal von Beginn an zum Mitsingen und Klatschen auf – bereits beim Opener "All I Know Is Now", seiner 2025 veröffentlichten Single –, doch die Stimmung blieb zunächst überraschend reserviert. Erst im zweiten Teil entwickelte sich der Abend zu der Soul- und Pop-Party, die man von einem Seal-Konzert erwartet.

Dabei half auch der Sänger selbst kräftig mit: Immer wieder legte der 63-Jährige kleine Tanzeinlagen hin, die fast so viel Applaus bekamen wie seine Songs.

Überhaupt präsentierte sich Seal bestens gelaunt. Immer wieder bedankte er sich auf Deutsch – "Vielen Dank, meine Lieben" –, dichtete spontan Songzeilen um und reagierte charmant auf Zwischenrufe, scherzte mit einzelnen Fans und ließ Raum für spontane Momente.

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Seal feiert Jubiläum, doch genau das kommt zu kurz

Mit mehr als 20 Millionen verkaufte Alben, vier Grammys und seiner markanten Stimme gehört Seal zu den erfolgreichsten britischen Soulsängern seiner Generation.  © Peter Detje

Über den eigentlichen Anlass der Tour verlor er dagegen nur wenige Worte. Dabei soll die Konzertreise das 30-jährige Jubiläum seiner Alben "Seal" (1991) und "Seal II" (1994) feiern.

In Hamburg wurde das jedoch fast schon zur Randnotiz. Zu selten griff Seal auf die beiden Platten zurück, zu wenig erzählte er über ihre Entstehung oder ihren Stellenwert.

Lediglich vor "Future Love Paradise" gab er offen zu, dass sein Debütalbum während einer "sehr dunklen" Phase seines Lebens entstanden sei.

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Mehr sagte er nicht. Stattdessen bot Seal einen Querschnitt seiner Karriere, mit viel Raum für Soul-Grooves und die Spielfreude seiner eingespielten vierköpfigen Band.

Dass dieses Konzept dennoch funktioniert, liegt vor allem an Seals Stimme. Sie besitzt noch immer jene mühelose Kraft und Wärme, die seine Songs seit Jahrzehnten tragen. Zwar fiel die Setlist mit lediglich 13 Titeln überraschend kompakt aus, doch ausgedehnte Jams und Instrumentalpassagen verliehen vielen Stücken zusätzliche Länge, sodass der Abend am Ende doch fast zwei Stunden dauerte.

Zum Schluss folgte dann genau das Finale, auf das viele gewartet hatten. "Kiss From a Rose" sorgte für den emotionalsten Moment des Abends, bevor Seal mit den Zugaben "Crazy" und "Love's Divine" endgültig den Nostalgie-Modus einschaltete.

Dass ausgerechnet "Kiss From a Rose" und "Crazy" zu den Alben gehören, deren Jubiläum die Tour eigentlich feiert, wirkte dabei fast wie ein nachträglicher Verweis auf das Motto des Abends.

Nach Stationen in Köln, Berlin und Hamburg endet Seals Deutschlandreise am 28. Juli mit einem ausverkauften Konzert beim Zeltspektakel in Winterbach.

Beim "Stadtpark Open Air" geht es am 31. Juli mit "The Wailers" weiter. Weitere Informationen gibt es hier.

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