Tübingen - Am Mittwoch wurde ein Kleinkind stundenlang in einem Auto in Schorndorf vergessen und starb. Wie kann das passieren und welche Folgen hat das? TAG24 hat bei einer Ärztin nachgefragt, was das für den Körper eines Kleinkindes bedeutet.
Ein Auto steht auf einem Parkplatz in Schorndorf - im Wagen ein 20 Monate altes Mädchen - von der Mutter keine Spur. Erst Stunden später kehrt sie zum Wagen zurück.
In der Zwischenzeit ist das Mädchen gestorben. Ein Notarzt versucht noch, das Kleinkind wiederzubeleben, doch es ist zu spät.
Besonders für Kleinkinder ist die Hitze im Auto extrem gefährlich. Ein Wagen heizt sich in kurzer Zeit stark auf. "Wenn man sich vorstellt, wie lange man es selbst in einem heißen Auto bei der Hitze aushält, ist das sehr kurz", sagt Dr. Lisa Federle, Präsidentin vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Tübingen.
Für ein Kleinkind sind die hohen Temperaturen noch gefährlicher als für Erwachsene, denn insbesondere Babys und Kleinkinder können die Wärme nicht so gut aus dem Körper abgeben. Erwachsene schwitzen beispielsweise viel stärker als kleine Kinder.
Hitze führt zum Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems
Außerdem dehydriert das Kleinkind vermutlich nach einer längeren Zeit im heißen Auto durch den Flüssigkeitsverlust. "Das Blut wird dicker, Herz- und Atemfrequenz steigen. Innerhalb kurzer Zeit steigt die Körpertemperatur auf 41 bis 42 Grad, was lebensbedrohlich ist." Dabei gehe es um einen Zeitraum von unter einer Stunde.
Das Gehirn und andere Organe werden geschädigt. "Es kann zu Verwirrtheit, Erbrechen und Krampfanfällen kommen, zum Verlust des Bewusstseins und schließlich zum Herzkreislaufstillstand."
Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle, beispielsweise welche Kleidung das Kind im Auto trug, wie die Temperaturen im Wagen waren, ob ein Fenster geöffnet war, ob es im Schatten oder in der Sonne parkte und in welchem Allgemeinzustand sich das Kind befand.
Wie kann eine Mutter ihr Kind im Auto vergessen? Dafür gebe es mehrere Gründe, erklärt die Ärztin. "Es gibt Menschen, die zerstreut sind." Sie habe mal einen Fall einer Mutter gehabt, die ihr Kind im Kinderwagen im Schuhladen stehen ließ. Es gebe zudem sehr junge Mütter, denen es an Erfahrungen fehle.
Vergessenes Kind ist kein Einzelfall
Es ist kein Einzelfall, dass ein Elternteil sein Kind im Auto vergisst. Es gibt sogar einen Namen dafür: Vergessenes-Baby-Syndrom. US-Psychologieprofessor David M. Diamond erforscht diese Thematik seit rund 20 Jahren. Schlafmangel, Stress oder veränderte Routinen sind laut Diamonds Studien Auslöser für das Vergessen des Kindes im Wagen. Dadurch entstehe eine falsche Erinnerung, man hätte das Kind beispielsweise bereits im Kindergarten abgegeben. Die tägliche Fahrt zur Arbeit beispielsweise läuft fast im Autopilot ab.
Das Intensionsgedächtnis hilft Eltern normalerweise, geplante Handlungen, wie das Kind im Kindergarten abzugeben, auch umzusetzen. Wenn Kleinkinder im Auto vergessen werden, dann wurde häufig das Intensionsgedächtnis vom Gewohnheitsgedächtnis überlistet. Dabei entstehe eine falsche Erinnerung, das Kind bereits im Kindergarten abgegeben zu haben, was in Wirklichkeit nicht geschehen ist.
Zahlen, wie häufig Kinder in Autos sterben, gibt es nicht. Nach Angaben der US-Informationsplattform "No Heat Stroke" sterben in den USA jährlich mehr als 37 Kinder an einem Hitzeschlag. Dieses Jahr starben bereits 7 Kinder, weil sie im Auto vergessen wurden. Seit 1998 wurden 1050 Fälle aufgezeichnet.
Damit Kinder nicht im Auto vergessen werden, empfiehlt die Organisation "No Heat Stroke", ein Kuscheltier des Kindes auf den Beifahrersitz zu setzen. "Kinder dürfen grundsätzlich nicht alleine im Auto gelassen werden", mahnt Dr. Federle.