Letzter Pfiff mit 90 Jahren: Ältester Fußball-Schiedsrichter Südbadens tritt als "Legende" ab

Von Kristina Puck & Philipp von Ditfurth

Müllheim - Das Laufen, sagt Werner Ziebold vom SV Weilertal aus dem badischen Müllheim, werde er vermissen. Er ist 90 Jahre alt. Mehr als sechs Jahrzehnte war er Schiedsrichter. Jetzt hört er auf - als nach Verbandsangaben bisher ältester Fußball-Schiedsrichter Südbadens.

Jahrelang pfiff Werner Ziebold (90) vom SV Weilertal in der Kreisliga.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Am Sonntag leitete er die Kreisliga-Partie des SV Weilertal II gegen den SV Hartheim-Bremgarten II. Zumindest für die erste Halbzeit und ein paar Minuten obendrauf, dann ließ er sich ablösen. Es war sein emotionaler Abschied.

"Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung", würdigt Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH. Dass sich jemand über einen solchen Zeitraum als Schiedsrichter engagiere, erlebe man "nur ganz, ganz selten".

Bis zum Schluss hat es Ziebold Spaß gemacht, auch wenn das Knie zwickte. "Man kommt unter die Leute. Man ist immer mit jungen Leuten zusammen auf dem Platz", erzählt der rüstige Senior. Nur wenn es ruppig wurde, er Karten ziehen musste, mochte er das nicht so gern.

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Ans Aufhören hat Ziebold auch im hohen Alter lange nicht gedacht, im 61. Jahr war er Schiedsrichter.

Eine Anfrage zu einem älteren Schiri hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bisher nicht erreicht. Der 90-Jährige gehöre in jedem Fall zu den ältesten Unparteiischen in Deutschland, so der DFB.

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Freudentränen bei der "Legende" Werner Ziebold

Auf dem Feld wurde der 90-Jährige als "Legende" gefeiert.  © Philipp von Ditfurth/dpa

"Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen", erklärt Ziebold. Auch seine Routine dürfte ihm geholfen haben. "Der Verband ist froh, wenn sie genügend Schiedsrichter haben. Und die konnten mich immer mal anrufen, wenn es irgendwo gebrannt hat, auch mal unter der Woche", sagt er.

Doch mittlerweile macht sich nicht nur das Knie bemerkbar, weil er sich früh einen Meniskusschaden zugezogen habe. "Seit Dezember habe ich leider Wasser auf der Lunge", erzählt Ziebold. Das werde zwar besser, er habe Tabletten bekommen. Aber die Schiri-Rente sei auch ärztlich verordnet.

Für Vereinsmitglieder tritt er als eine "Legende" ab, wie für den 13 Jahre alten Louis Lambracht. Bei ihm kam Ziebold gut an. Wenn er Freistoß pfeift, werde seine Entscheidung nicht diskutiert, sagt der junge Fußballer, der beim SV Weilertal spielt.

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Wie ihm der Abschieds-Auftritt gefiel? "Auf jeden Fall habe ich auch Freudentränen bei ihm gesehen, glaube ich. Was ich sehr schön fand", sagt Louis. "Ich fand es halt schon traurig, dass er jetzt aufgehört hat."

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