Großbrand auf Bogensee-Areal mit Goebbels-Villa: Feuerwehr kämpft gegen Flammen
Von Julia Kilian, Jana Kieseyer
Wandlitz - Ein Lost Place, ein unbequemes Erbe und ein Feuer, das Historisches zerstört: Auf dem Bogensee-Areal mit der Goebbels-Villa nördlich von Berlin hat sich ein Großbrand durch ein geschichtsträchtiges Gebäude gefressen.
Zeugen meldeten am Mittwochabend Rauchentwicklung auf dem Areal im brandenburgischen Wandlitz, wie die Polizei mitteilte. Auch am Folgetag war der Einsatz bis zum Mittag nicht abgeschlossen. Die Feuerwehr bekämpft nach eigenen Angaben derzeit vorrangig Glutnester.
Auf dem Areal hatte sich NS-Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) einst eine Villa gebaut. Diese brennt nach Angaben eines Polizeisprechers aber nicht, betroffen sei ein früheres Lehrgebäude. Es gehörte zu DDR-Zeiten zur ehemaligen Hochschule der Freien Deutschen Jugend (FDJ).
Nach der Wende gab es auf dem Areal ein Kongresszentrum. Seit dem Jahr 2000 ist das Areal ungenutzt und verfällt.
Der Bürgermeister der Gemeinde, Oliver Borchert, hob die Bedeutung des Gebäudes hervor. "Grundsätzlich ist es erst mal ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. Und es ist ein Gebäude in der Gemeinde Wandlitz, an dem ganz, ganz viele Familien-Geschichten hängen." Es sei von nationaler oder europäischer Bedeutung.
"Es ist im Prinzip dieser doppelt-kontaminierte, geschichtlich-kontaminierte Ort aus Nationalsozialismus und DDR-Unrechtsstaat. Und das hat man halt selten an einem Ort", sagte Borchert. Nach erster Einschätzung fielen der große Saal, die Bühne sowie die ehemaligen Sprecherkabinen den Flammen zum Opfer, wie die Gemeinde mitteilte. Die Seitenflügel des Gebäudes seien nicht unmittelbar erfasst worden.
Polizei identifiert erste Zeugen
Der Löscheinsatz dauert nun schon mehr als 12 Stunden. In der Nacht seien zwischenzeitlich rund 90 Kräfte im Einsatz gewesen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost.
"Die Witterung ist der Gegner." Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen der niedrigen Temperaturen schwierig, Bürgermeister Borchert sprach von teils Minus acht Grad. Einige Pumpen seien durch den Frost beschädigt worden. Auch die Schläuche müssten dauerhaft laufen, sonst frieren sie ein.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kam bei dem Feuer niemand zu Schaden. Die Polizei habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und habe erste Zeugen identifizieren können.
Um die Brandursache zu untersuchen, muss das Feuer jedoch vollständig gelöscht sein und das Gebiet abgekühlt.
Erstmeldung vom 22. Januar, 8.28 Uhr; zuletzt aktualisiert um 14.23 Uhr.
Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

