Berlin - Der neue Islamismus-Monitor des Berliner Senats für Inneres und Sport zeigt ein deutliches Bild der Lage in der Hauptstadt. Die Situation bleibt angespannt und verlagert sich immer stärker ins Internet.
Besonders auffällig ist demnach das wachsende Interesse junger Menschen an propagandistischen Inhalten und der damit einhergehende Anstieg von Straftaten.
Im Bereich "religiöse Ideologie" wurden 2025 in Berlin insgesamt 532 Fälle registriert. Das ist noch einmal mehr als im Vorjahr. Während Gewaltdelikte leicht zurückgingen, stiegen Straftaten im Zusammenhang mit Terrorismus innerhalb eines Jahres von neun auf 21 an.
Die Szene verändert sich spürbar. Klassische Strukturen wie Moscheevereine spielen eine immer kleinere Rolle. Stattdessen laufen viele Inhalte heute über TikTok, Instagram oder YouTube.
Genau dort liegt aus Sicht der Behörden auch das Problem. Junge Nutzer werden gezielt angesprochen, oft über kurze, leicht verständliche Videos. Die Botschaften sind simpel gestrickt und zeichnen ein klares Schwarz-Weiß-Bild zwischen „gläubig“ und „ungläubig“. Demokratische Strukturen werden dabei häufig grundsätzlich infrage gestellt.
Der Monitor beschreibt, dass Radikalisierung oft nicht plötzlich passiert, sondern eher schleichend beginnt. Erst wirken die Inhalte harmlos, später werden sie deutlicher.
Trotz Verbotsmaßnahmen erreichen einzelne salafistische Prediger weiterhin viele Menschen online. Besonders Kinder und Jugendliche geraten dabei stärker in den Fokus.
Nahostkonflikt sorgt weiterhin für Eskalationspotenzial
Ein großer Einflussfaktor bleibt der Nahostkonflikt. Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wirkt laut Bericht bis heute nach und prägt auch die Stimmung in Teilen der Szene in Berlin.
Der Bericht nennt auch konkrete Verfahren aus Berlin. Dazu gehört der Messerangriff am Holocaust-Mahnmal im Februar 2025. Außerdem geht es um eine vereitelte Anschlagsplanung sowie einen versuchten Ausreiseversuch in ein Terrorgebiet. Für die Behörden ist das ein Hinweis darauf, dass die Lage weiterhin ernst bleibt.
Um gegenzusteuern, setzen die Behörden weiter auf Verbote und Ermittlungen gegen entsprechende Strukturen.
Betroffen sind sowohl schiitische als auch salafistische Netzwerke, aber auch digitale Kanäle.