Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin: Aber nur unter bestimmten Bedingungen

Von Sabrina Szameitat und Verena Schmitt-Roschmann

Berlin - Tricia Tuttle (55) bleibt Chefin der Berlinale, muss aber Vorgaben akzeptieren.

Tricia Tuttle (55) behält ihren Job als Berlinale-Chefin.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Geplant sind ein "beratendes Forum" sowie die Ausarbeitung eines Verhaltenskodexes für alle Kulturveranstaltungen des Bundes, wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) nach einer Krisensitzung im Kanzleramt in Berlin mitteilte.

Es handele sich um "Empfehlungen" zur Stärkung des Festivals, um es langfristig weiterzuentwickeln und ihre gesellschaftliche Akzeptanz sowie die wirtschaftliche Stabilität abzusichern.

Die gute Nachricht des heutigen Tages sei, dass man sich mit Frau Tuttle und mit dem zuständigen Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) einig geworden sei, sagte Weimer im Kulturausschuss des Bundestags.

Berlin Kultur & Leute "Bei den Proben wurde nur geheult": Besuch beim Berlin-Musical "Wir sind am Leben"

"Es gibt die Entscheidung, dass Frau Tuttle weitermacht." Er sei nun guter Hoffnung, dass die Turbulenzen der vergangenen Wochen rund um die Berlinale aufhören und geheilt werden könnten.

Beim diesjährigen Festival hatte es mehrfach Debatten über den Umgang mit dem Nahostkonflikt gegeben. Bei der Abschlussgala hatte der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib der Bundesregierung vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein.

Israel bestreitet den Völkermord-Vorwurf ebenso wie die Bundesregierung. Weimer und andere verurteilten die Äußerungen des Regisseurs.

Anzeige

Tuttle besteht auf Freiheit in der Programmgestaltung

Wolfram Weimer (61, parteilos), Staatsminister für Kultur und Medien, ist guter Hoffnung, dass sich die Situation wieder beruhigt.  © Christoph Soeder/dpa

Tagelang wurde über eine Ablösung oder einen Rückzug Tuttles spekuliert, bis sich die US-Amerikanerin öffentlich festlegte: Sie wolle weitermachen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie hat einen Vertrag bis 2029.

Tuttle pochte allerdings auch auf "Unabhängigkeit in der Programmgestaltung und der institutionellen Leitung".

Auf die Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit auf der Bühne sagte Tuttle: "Wir leben in einer Welt, die zutiefst polarisiert und emotional aufgeladen ist. Aber wir handeln strikt innerhalb des geltenden gesetzlichen Rahmens."

Berlin Kultur & Leute Sie studierte in Dresden: Trauer um Künstlerin Henrike Naumann (†42)

Berichte über Tuttles mögliche Ablösung hatten wütende Reaktionen in der Kulturszene und eine Solidarisierung mit der Intendantin ausgelöst. Zuletzt stärkten laut Medienberichten führende Festival-Direktoren in einer gemeinsamen Erklärung Tuttle den Rücken.

Erstmeldung um 15.04 Uhr, zuletzt aktualisiert um 16.06 Uhr.

Mehr zum Thema Berlin Kultur & Leute: