CDU in der Wegner-Krise: Tritt der Bürgermeister doch nicht mehr an?
Von Stefan Kruse, Andreas Heimann und Matthias Kuhnert
Berlin - Die Berliner CDU will auf einer Sitzung am Freitag über die schlechten Umfragewerte gut zwei Monate vor der Abgeordnetenhaus-Wahl und ihren Wahlkampf beraten. Mit dabei ist auch Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU). Der 53-Jährige steht wegen falscher Angaben zu seinem Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten im Januar stark unter Druck. Zuletzt war er auch vom Koalitionspartner SPD scharf angegangen worden.
"Ich werde es in keiner Konstellation zulassen, dass Kai Wegner in einem künftigen Senat eine Rolle übernehmen kann", erklärte der Berliner SPD-Chef Steffen Krach (46). Eine Koalition mit Wegner werde es nicht geben! "Kai Wegner hat sich für diese Aufgabe vollständig disqualifiziert."
Doch auch in der CDU rumort es. Der Vorsitzende der Jungen Union (JU) in Berlin, Harald Burkart, forderte Wegners sofortigen Rückzug als Spitzenkandidat.
Nach Angaben mehrerer Kreisvorsitzender war das Treffen vor etwa vier Wochen terminiert worden. Teils wurde eingeräumt, dass in der Partei Unruhe und Verärgerung über das Agieren Wegners herrsche. Schon seit längerem fürchten Abgeordnete angesichts schlechter Umfragewerte von zuletzt nur noch 17 Prozent (2023: 28,2 Prozent) um ihre Wiederwahl.
Wegner wurde bereits früh nach dem tagelangen Stromausfall in Berlin Anfang Januar kritisiert, unter anderem, weil er ein Tennisspiel am ersten Tag gegen Mittag zunächst verschwiegen hatte.
Wird Wegner doch abgelöst?
Auch seine Angaben zu seinen Abläufen an jenem Tag warfen immer wieder neue Fragen auf. Am vergangenen Dienstag berichtete der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Angaben der Senatskanzlei, Wegner habe am 3. Januar anders als zunächst von ihm dargestellt vormittags nicht dienstlich zu dem Blackout telefoniert.
Die "Welt" berichtete, angesichts der Lage wollten mehrere Kreisvorsitzende Wegner dazu bringen, nicht mehr zu kandidieren. Bis zur Wahl solle er aber im Amt bleiben.
Nach "Nius"-Informationen soll in der Berliner CDU zu hören sein, dass der Regierende Bürgermeister seine Spitzenkandidatur niederlegen wolle. Verschiedene CDU-Quellen bestätigten das auf dpa-Anfrage nicht.
Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa
