Tennismatch bei Stromausfall: Wegner entschuldigt sich und steht doch wieder in der Kritik
Berlin - Dieser Aufschlag ging daneben. Die Tennis-Pause während des Mega-Stromanschlags in Zehlendorf kommt Kai Wegner (53, CDU) weiter teuer zu stehen, die Kritik am Bürgermeister reißt nicht ab - auch nicht nach seiner Entschuldigung.
Der CDU-Politiker hatte in der B.Z. Fehler in seiner Kommunikation eingeräumt. Dafür wolle er sich bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen, sagte er. "Es tut mir aufrichtig leid", so Wegner.
"Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere. Tatsächlich habe ich mich mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt."
Glaubhaft ist das allerdings nicht, findet die Politik. Aus der Opposition gibt es weiterhin deutliche Kritik. "Statt wirklich reinen Tisch zu machen und sich ehrlich an die Menschen in Berlin zu wenden, versucht Kai Wegner erneut, sich mit Kommunikationsfehlern herauszureden", teilte Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Graf auf dpa-Anfrage mit.
"Gerade in Zeiten von Unsicherheit und Krisen brauchen wir einen Regierenden Bürgermeister, auf dessen Wort Verlass ist."
Entschuldigung von Kai Wegner nur Kalkül?
Wegner ist nach dem Riesen-Stromausfall in Zehlendorf gleich mehrmals in die Kritik geraten. Statt vor Ort bei den Zehntausenden Menschen in klirrender Kälte ohne Strom und Warmwasser zu sein, entschied sich der Bürgermeister, von zu Hause aus die Krise zu managen, verschwieg aber eine Tennis-Stunde mit seiner Partnerin.
Erst nach rbb-Recherchen gab er das Match zu, doch wie der Tagesspiegel herausfand, soll wohl auch sein Arbeitspensum nicht ganz so umfangreich gewesen sein wie behauptet.
Reagierte er zunächst noch auf der Pressekonferenz schmallippig ("Dazu ist tatsächlich alles gesagt"), folgte jetzt doch die Entschuldigung. Eine für Linken-Chefin Elif Eralp (45) wenig glaubhafte.
"Und erst jetzt, wo noch mehr Ungereimtheiten öffentlich werden, entschuldigt er sich, das sieht doch arg nach Wahlkampfmanöver aus", kritisiert Eralp. "Was jetzt von ihm als kommunikativer Fehler abgetan wird, klingt nicht nach echter Einsicht, sondern nach Kalkül."
Auch die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker findet deutliche Worte. Wegner habe nicht etwa "kommunikative Fehler" gemacht – er habe schlicht gelogen. "Mit seinem halbherzigen Entschuldigungsversuch beweist er ein weiteres Mal: Für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ist er weder politisch noch charakterlich geeignet."
Titelfoto: Carsten Koall/dpa

