Wie eine Tennis-Panne den Wahlkampf in Berlin beeinflussen könnte
Von Stefan Kruse und Thorsten Meiritz
Berlin - Hat er ausgespielt? Ein Tennis-Match während des großen Stromausfalls könnte Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) im Wahljahr auf die Füße fallen.
Die Berliner CDU-Fraktion hat sich in der Debatte um Wegners Agieren im längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte allerdings geschlossen hinter ihr Oberhaupt gestellt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur nach der digitalen Schalte am Morgen von mehreren Teilnehmern.
Demnach gab es sehr viel Unterstützung für Wegners Krisenmanagement und auch keine Kritik an seinem einstündigen Tennismatch am Samstag wenige Stunden nach Beginn des Blackouts.
"Er hat die Krise gut gemanagt, hat sich gekümmert, er war vor Ort", sagte ein Fraktionsmitglied. Mehrere Abgeordnete betonten, dass die Stromkrise nun aufgearbeitet und daraus die notwendigen Lehren gezogen werden müssten.
"Das ist unser Fokus und nicht ein Tennisspiel." Wegner räumte demnach gegenüber der Fraktion ein, dass er rückblickend die Öffentlichkeit besser bereits am Wochenende über seine sportliche Pause informiert hätte.
Kein Match in Heaven: Kai Wegner steht nach Tennis-Partie mit Katharina Günther-Wünsch unter Druck
Wegner hatte am Mittwoch bestätigt, dass er am vergangenen Samstag wenige Stunden nach Beginn des Blackouts Tennis spielte.
Gleichzeitig machten sich 100.000 Betroffene im Berliner Südwesten ohne Strom und Heizung, Internet und Handy-Empfang mitten im Winter große Sorgen. Vor Ort wurden eilig Notunterkünfte aufgebaut und andere Hilfe organisiert.
Der 53-Jährige spielte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU), um - wie er es formulierte - den Kopf freizubekommen. Ursache für den tagelangen Stromausfall war ein Brandanschlag, zu dem sich eine linksextreme Gruppe bekannte.
Wegner ist und bleibt somit auch Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl im September. Ob er bei den Wählern der Favorit auf den Sieg ist, wird sich zeigen. Zumindest muss Tennis-Kai aktuell wohl erst einmal einen Satzrückstand aufholen.
Erstmeldung von 9.15 Uhr, aktualisiert um 10.53 Uhr.
Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

