Berlin - Es ist eine - trotz Volksentscheid - nicht enden wollende Diskussion: Soll das Tempelhofer Feld angesichts der Wohnungsnot in Berlin bebaut werden oder nicht?
Die Initiative "Zuhause am Tempelhofer Feld" hat zumindest ihre ganz eigene Vorstellung zur Zukunft des ehemaligen Flughafengeländes und Nägel mit Köpfen gemacht. Ihre Vision: bauen, bauen, bauen.
Insgesamt sollen durch die Randbebauung 21.400 neue Wohnungen und Platz für 50.000 Menschen entstehen. Davon sollen 30 Prozent Sozialwohnungen sein.
Innerhalb von sechs Jahren könnten dann schon die ersten Mieter einziehen. Auch beim Preis geben sich die Planer optimistisch. Durch seriell vorgefertigte Bauteile sollen Wohnungen entstehen, die trotz freier Finanzierung für etwa 16 Euro pro Quadratmeter vermietet werden könnten.
Auffällig: Das Innere des Feldes bleibt tabu, während der Rand voll ausgekostet wird. Konkret sollen rund 100 der insgesamt 300 Hektar großen Fläche, also insgesamt ein Drittel, bebaut werden – orientiert am klassischen Berliner Gründerzeit-Stil mit Blockrandbebauung, Innenhöfen und parzellierten Häusern.
Bebaut werden soll praktisch der komplette äußere Rand des Feldes bis zum ehemaligen Taxiway. Dort soll künftig eine breite Platanenallee entstehen. Das Flüchtlingsheim, das Baseballfeld, die Biergärten, das kleine Theater Luftschloss, Minigolf - sie alle müssten den Bebauungsplänen weichen. Auch ein neuer S-Bahnhof zwischen Tempelhof und Hermannstraße soll entstehen, um eine bessere Anbindung zu ermöglichen.
Kai Wegner unterstützt Pläne der Initiative
Rund neun Milliarden Euro soll die XL-Randbebauung kosten. Einen prominenten Fürsprecher haben die Architekten auch schon: Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU).
"Berlin wächst und braucht bezahlbaren Wohnraum. Die Initiative 'Zuhause am Tempelhofer Feld' macht dafür einen starken Vorschlag: mehr als 21.000 Wohnungen für mehr als 50.000 Menschen durch maßvolle Randbebauung. Das ist das, was Berlin jährlich braucht. Ich unterstütze das", schreibt der CDU-Politiker auf X.
Einen großen Stolperstein lassen die Initiatoren und der Bürgermeister jedoch unerwähnt. 2012 stimmten die Berliner in einem Volksentscheid gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds. Die Fürsprecher dürften aber wohl zur Kenntnis genommen haben, dass einer repräsentativen Umfrage zufolge die Mehrheit der Berliner (59 Prozent) eine "maßvolle" Randbebauung befürworten.
Ob aber auch ein Drittel des Tempelhofer Felds zu bebauen noch unter "maßvoll" fällt?