Chemnitz - Am Mittwoch waren Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (62, CDU) und Bundes-Staatssekretär Ulrich Lange (56, CSU) im neuen Batteriezug zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs. Die Fahrt hatte allerdings wenig mit der Pendler-Realität zu tun. Die Politiker saßen in einem abgesperrten Abteil. Was sagt der Fahrgastverband zur "politischen Zugfahrt"?
Für Markus Haubold vom Fahrgastverband PRO BAHN dienen derartige Fahrten dazu, Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Projekt zu erzeugen.
"In diesem Fall soll dem Bund die fehlende Finanzierung des Ausbaus der Bahnstrecke bewusst gemacht werden und aufzeigen, dass es eben kein rein regionales Projekt ist, sondern eine überregionale Dimension besitzt", sagt der Bahn-Experte.
Aber: Bildet diese Fahrt auch die Pendler-Realität ab? Zumal viele Züge in Sachsen hoffnungslos überfüllt sind - ebenso die Strecke Chemnitz-Leipzig. Die Auslastung liegt bei 140 Prozent.
"Mit einer einmaligen, angemeldete Fahrt unter Idealbedingungen wird sicher kein umfassendes Bild der Situation auf der Strecke möglich sein", sagt Haubold.
Fahrgastverband spricht von Problemen beim Laden der Akkuzüge
Gerade im Nordabschnitt der Strecke kommt es immer wieder zu spontanen Störungen. Der Grund: Auf der eingleisigen Strecke blieb vor Kurzem der RB 113 liegen - ein Zug, der sich mit dem RE 6 (Chemnitz-Leipzig) ein Gleis teilt.
"Dann wird im besten Fall der RE 6 umgeleitet, im schlechtesten Fall gibt es Ausfälle und Busnotverkehre", weiß der Bahn-Experte.
Zudem betont Haubold, dass es in den letzten Monaten Probleme beim Laden der Akkuzüge gab. "Dann fuhren die Züge nur mit einem Zugteil. Dieser war natürlich hoffnungslos überfüllt."
Sollte Ministerin Kraushaar nicht mal in solchen Zügen unterwegs sein - oder auch in einem langsamen SEV-Bus, um die Probleme quasi hautnah zu erleben? "Sicher ist das sinnvoll", sagt Haubold: "Das lässt sich aber wohl aus Sicht der politischen Vertreter mit vollen Kalendern schlecht planen."
Im besten Fall sollten Politiker selbst regelmäßig die Bahn nutzen. "Bei den Bundestagsabgeordneten der Region ist bzw. war dies oft der Fall und sie konnten aus eigenem Erleben die Probleme nachvollziehen."